Dienstag, 23. Oktober 2012

Zootag in Bremerhaven

Wie viel Wasser braucht der Zoo? Was fressen Seebär, Eisbär & Co.? Wo kommt das neue Aquarium hin? Was macht der Zootierarzt?

Hunderte von Fragen, die einem in der einen oder anderen Form bestimmt schon einmal durch den Kopf gegangen sind. Am Sonntag konnten Interessierte beim Zootag im "Zoo am Meer" in Bremerhaven hinter die Kulissen blicken. Für Antworten stand die gesamte Mannschaft von Chefin Dr. Heike Kück bis zum Azubi bereit.

Schon kurz hinter dem Eingang waren die Jüngsten eingeladen in Wettbewerb mit der Geschicklichkeit der Schimpansen zu treten. Wie auch die Menschenaffen, mussten die Kinder Süßigkeiten mit Stöckchen durch Boxen buchsieren. Gar nicht so einfach, wie sie feststellen konnten. Wie schnell das bei den Affen geht, konnten sie dann nebenan durch das große Panoramafenster in der Zooschule beobachten. Dort war eine Auswahl der Lehrmittel aufgebaut, wie sie auch von Schulklassen verschiedener Altersstufen gebucht werden können.

Taggecko, Python und Jemen-Chamäleon blieben davon unbeeindruckt.

Wieder auf dem Rundgang informierte ein Stand über die Voraussetzungen, die ein Bewerber für eine Ausbildung als Tierpfleger erfüllen muss, u. a. sollte Haupt- oder Realschule mit guten Noten in Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften abgeschlossen worden sein.


An der Wegbiegung zwischen Eisbären und Seelöwen hing am Denkmal für die Klappmütze "Hansi" (der Bulle der seltenen Robbenart kam 1954 als Beifang in die Tiergrotten) ein Schild, das zur Führung hinter die Kulissen einlud. Dies nahmen wir gerne an - auch wenn gleichzeitig die Robbenfütterungen begannen. Doch die hatten wir ja auch schon öfters mitgemacht. Da waren Tierarzt, Eisbären-Bereich, Wasserfiltersysteme und Futterküche schon interessanter.

Als erster erwartete uns Dr. Joachim Schöne, seines Zeichens Kurator und Tierarzt des Zoos. Für ihn habe die Arbeit im Zoo einen entscheidenden Vorteil zu der in einer Praxis: "In einer Tierarztpraxis behandelt man Krankheit, hier arbeitet man der Gesundheit der Tiere....Wir wollen unseren Tieren ein lebenswertes Leben gewährleisten - artgerecht kann es nur in der freien Natur sein. Aber das wir ja leider immer schwieriger." Für die Kinder war natürlich die Zielscheibe hinter ihm viel interessanter. "Die ist für euch.", erwiderte er schmunzelnd und zog ein Blasrohr hervor. Nach einer sehr anschaulichen Erklärung der Luftspritze (bekannt aus unzähligen Folgen der Tierdokus), durften die Mutigsten zeigen, ob sie damit auch zielen können. Einmal wurde immerhin die Zielscheibe getroffen. Ein besonders schönes Lob hatte er für die Arbeit der Tierpfleger: Im letzten Jahr sei Viktoria von ganz alleine in ihre Transportkiste marschiert. Ohne jegliches Beruhigungsmittel, nur durch geduldiges Training sei dies möglich gewesen - und damit auch für das Tier die geringste Belastung.

Damit hatte er die ideale Überleitung zur nächsten Station geschaffen: Die Innengehege der Eisbären. Hier halten sich die Tiere jedoch in der Regel nicht länger als 2 Stunden pro Tag auf. "Es sind Wildtiere, die nicht gerne eingesperrt sind. Es besteht ja auch keine Notwendigkeit, sie nicht auf der Anlage zu lassen." 

Gerade im Umgang mit dem größten Landraubtier sind einige Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Auch wenn Lloyd und Valeska sehr ruhige und "freundliche" Tiere sind, müssen die Schieber einerseits in Eigenverantwortung (es hat jeweils nur einer den Schlüssel), andererseits aber immer im Beisein eines zweiten kontrollierenden Pflegers bedient werden. Die massiven Gitter tun ein übriges. Jetzt klingt die Anfangsbemerkung von Thomas Grunert nicht mehr so lustig: "Ach, da kommt das Spielzeug. Für Futter müssten sie so ca. 70 Kilogramm Blubber auf den Rippen haben."

Im Eisbärenstall 2 ist weit mehr Platz. Vor kurzem wurde er noch einmal mit neuen Kameras ausgestattet. Hier soll sich Valeska in diesem Winter erstmals zurückziehen und sich von den ganzen Aufregungen erholen. Für Nachwuchs ist es zu früh, da die Zusammenführung mit Lloyd ja erst im Sommer stattfand. Paarungszeit ist dagegen schon im März/April. Ein Anfang ist immerhin geschafft, da die beiden Bären sehr gut harmonieren.

Vorbei an Hühnern und Gerätschaften ging es dann in den Bereich unter den Schimpansen. Dort befindet sich das Wassersystem. Die Moderation übernahm Carmen Gürster, die Revierleiterin für Robben und Pinguine. 


Dank eines ausgeklügelten Systems aus Sand- und Ultraviolett-Filtern und Abschäumern (die letzten Reste dürfen in die Kanalisation abgeleitet werden) ist der jährliche Wasserwechsel (immerhin 3,5 Mio. Liter) eigentlich nicht notwendig. "Aber wieso sollten wir es darauf ankommen lassen?" So kann das Wasser ohne weitere Umstände direkt in die Weser abgelassen werden.

Sie selbst habe zunächst keinerlei technische Vorkenntnisse gehabt. Doch da ihr Aufgabenbereich den größten Bedarf an Wasser habe, sei ihr dies zugefallen. Inzwischen ist sie in ihre Rolle hinein gewachsen und kann ihren Zuhörern diese an sich trockene Materie sehr gut vermitteln. 


Witzig ihr Hinweis auf die zwei kleinen Aquarien. Diese seien Übungs-Aquarien für die Auszubildenden. Diese haben freie Wahl bei der Gestaltung und dem Besatz der Glaskästen. Die auf dem Tisch davor zeugen die Listen und Ordner von einem eifrigen Protokollieren der Fortschritte.

Zum letzten Mal wurde die Gruppe übergeben, diesmal an die Futtermeisterin Katja Seedorf. Sie gewährt einen umfangreichen Blick in die Vorratskammern, Kühlräume und Küchen des Zoos. Neben den wöchentlichen Lieferungen des Großmarkts (jeden Dienstag, daher waren die Regale am Sonntag relativ leer) erhält die Futtermeisterei auch die "Abfälle" aus einem Aktiv-Markt. Einen Tag altes Brot, Bananen mit braunen Flecken, Äpfel mit leichten Dellen ... alles auch für den Menschen noch genießbar, aber für einen Markt nicht mehr zu verkaufen. Daraus darf der Zoo eine Auswahl treffen, die dann anschließend zur Tierbeschäftigung genutzt wird.

Bei den kleinen Sumpfschildkröten
Auf die Frage, ob denn das Schwarzkümmel-öl und der Oregano auch zur Beschäftigung diene, kam eine überraschende Antwort: Das sind wichtige Futterzugaben für die Schneehasen. Diese Tierart ist besonders empfindlich und fängt sich schnell Parasiten ein. Durch die Gabe dieser einfachen Mittel habe es der Zoo am Meer sogar fertig gebracht, den Nachwuchs hoch zu bekommen - eine Leistung, die selten in anderen Zoos gelingt. Was doch so eine scheinbar genügsame Tierart an Problemen bereiten kann.
In einem Raum wird hinter den Kulissen ein weiterer Zuchterfolg gehegt und gepflegt: Die kleinen europäischen Sumpfschildkröten sind schon gewachsen und weit größer als eine Zwei-Euro-Münze, wie am Anfang.

Mit der blitzblank aufgeräumten Küche, in der bereits die unzähligen Futterschalen für den nächsten Tag bereitstanden, endete diese Führung. Ich habe bestimmt sehr vieles unerwähnt gelassen, aber diese Stunde war wirklich klasse. Wir freuen uns schon auf eine eventuelle Wiederholung im nächsten Jahr.
Hinter dieser Tür entsteht
das neue Nordsee-Aquarium
 

Für meinen Anderen und mich sollte der Tag aber noch etwas ganz Besonderes bringen. Nach der Fütterung der Eisbären (endlich mal Lloyd im Wasser) nutzten wir die Gelegenheit uns über die Ausbaupläne des Zoos zu informieren - und das sogar exclusiv direkt von Dr. Kück selbst, da niemand sonst bis 16.30 Uhr warten wollte. Sie selbst erklärte sich das mit dem hohen Anteil an Touristen an diesem Tag, die von den Plänen nicht viel wissen. Vorteil für uns.

Charmant und engagiert führte sie uns damit in einen Raum, der nur durch ihren Einspruch während der Umbauarbeiten entstand. Ursprünglich hatte er zugeschüttet werden sollen. "Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir diesen Platz noch brauchen werden." Sie selbst war erst mit der Komplett-Umgestaltung der Tiergrotten aus Bochum an die Weser gekommen. Ein Hauptgrund für diese Entscheidung war auch, dass ihr Spezialgebiet die Aquaristik ist. Doch damals gab es auch Pläne für Großaquarien in der direkten Nachbarschaft, die erst nach und nach aufgegeben wurden. 

Seit Wiedereröffnung hat der Zoo 2,5 Mio. Besucher gehabt. Die Zahlen sind stabil, doch auf die Dauer muss auch an ein Wärmehaus gedacht werden. "Und schon seit seiner Gründung hatte der Zoo ein Aquarium." In diesem Jahr endlich erhielt das Projekt durch die Verantwortlichen grünes Licht und die Umsetzung rollte an. Flatterbänder markieren noch die Bereiche, wo bald Seegras, Kabeljau und Seepferdchen einen Eindruck vom Leben in der Nordsee vermitteln sollen. Die Bilder ihrer Präsentation sind vielversprechend und realistisch.  Neben dem Schauwert, wird auch die Forschung einen großen Bereich einnehmen.

Neben der Finanzierung (50% trägt das Land Bremen, 50% die europäischen Gemeinschaft) sind auch logistische Probleme zu lösen. Direkt über uns befindet sich das Areal der Eisbären, der Betrieb soll und muss während der Arbeiten weiterlaufen. Wenn alles termingerecht ("...sowas wird nie absolut pünktlich fertig...") abläuft, muss dann auch für den Besatz gesorgt werden. Hier kann die Zooleiterin unter anderem auf die Unterstützung des Alfred-Wegener-Instituts und des Ozeaneums in Stralsund bauen. Sie erwartet, dass sie im Sommer nächsten Jahres den Anruf bekommt, dass sie innerhalb von 24 Stunden die Fische in ihren Becken unterbringen muss. Trotzdem merkt man ihr die Vorfreude an.

Denn "ihr" Zoo feiert dann das 100jährige Bestehen - und endlich wieder mit einem Aquarium.

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