Mittwoch, 13. März 2013

Zeichenkurs im Zoo am Meer

Wo kann man besser lernen Tiere zu zeichnen als in einem Zoo? Dieser Gedanke wurde am letzten Sonntag in Bremerhaven in die Praxis umgesetzt. Bereits zum dritten Mal trafen sich die Interessenten am Vormittag in der Zooschule. Den Kurs leitete Cordula Grunwald, Kunstpädagogin an einer der örtlichen Schulen.

Mich persönlich hatte die Aussicht gelockt Pastellkreide unter Anleitung auszuprobieren. Während meiner Ausbildung hatte ich bereits Körper- und Naturzeichnen als Unterrichtsfach gehabt. Damals allerdings sehr fachspezifisch und ich klebe zu sehr an den Einzelheiten. Einen neuen Ansatz für Skizzen konnte ich wirklich gebrauchen.

Wir waren schon etwas früher da und konnten daher erstmal eine Runde im Zoo machen. Bei den Eisbären zeigte sich ganz klar: Es gibt auch Gewinner bei dem erneuten Wintereinbruch - Lloyd und Valeska. Sie hielt in einer Ecke ein Nickerchen, während er sich genüßlich im Schnee räkelte, wie andere Leute am Ballermann im Sand.


RIP Rüdiger
Zurück in der Zooschule bemerkten wir überrascht, dass das Schild des Fischers Chamäleon Rüdiger fehlte. Unter anderem war er ja in der Vorwoche öfters im Ersten zu sehen gewesen. Er ist leider im Herbst verstorben.

An der Längswand hingen bereits einige Zeichnungen und Gemälde als Beispiel und Ansporn. Die Teilnehmer waren bunt gemischt: Kinder und Erwachsene. Einige hatten bereits im letzten Jahr den Kurs besucht. Die Materialien (Nutzung im Preis inbegriffen) lagen bereit.

Mein Anderer verzog sich und drehte mit der Kamera "bewaffnet" seine Runden im Zoo.

Eigentlich sollte die Truppe mit Klemmbrettern bewaffnet die ersten Skizzen direkt an den Gehegen versuchen. Die Witterung - es schneite leicht - machte dem allerdings einen Strich durch die Rechnung. Als Alternative gingen wir von Tierart zu Tierart und bekamen von Cordula erklärt, was bei der Darstellung zu beachten ist, was markant ist. Bei den Eisbären z. B. ist im Gegensatz zu anderen Bärenarten der Kopf nicht rund, sondern langgestreckt. Genauso wie der Hals, der bei Valeska ja irgendwie wie ein eleganter Pelzkragen wirkt.

Mit wenigen geometrischen Formen sei jedes Tier erstmal grundsätzlich angelegt. Wie ein Bildhauer nähert sich die Zeichnung anschließend Schritt für Schritt dem Gesamtbild. Wichtig daher: Bei der Vorzeichnung mit Bleistift nicht fest aufdrücken. Zarte Linien müssen größtenteils nicht wegradiert werden.

Zurück im Warmen wurde dies gleich umgesetzt. An einem Flipchart demonstrierte Cordula wie mit einem langgezogenen Rechteck und mehreren Dreiecken Stück für Stück ein Pottwal entsteht. Noch ein paar Schattierungen, die das Ganze plastischer erscheinen lassen - fertig.

Wieder Recht- und Dreiecke, dazu noch ein paar freie Linien - ein Kalmar. Schnell hatten besonders die Kinder Feuer gefangen. Man merkt, dass Cordula an einer Schule unterrichtet. Sie weiß, wie sie ihre Schüler fesselt. Schön auch der Verzicht auf Empfehlungen einer bestimmten Marke oder eines bestimmten Lehrbuches für die weiteren Versuche zu Hause. Gerade für den Anfang würden einfache Materialien reichen. Die gäbe es auch bei den verschiedenen Discountern im Angebot.

Für den Unterricht hatte sie selbst aus unterschiedlichen Vorlagen-Katalogen ausgewählt. Passend für den Zoo war das nächste Objekt ein Fisch - genauer ein Skalar. Und damit wurde es farbig. Überwindet man erstmal die Scheu verschiedene Farben nebeneinander zu setzen und anschließend zu verwischen, macht die Sache einen Riesenspaß. Cordula ging ruhig von einem zum anderen, gab hier und da Tipps oder lobte auch einfach nur.

Nachdem alle diese Hürde genommen hatten, war es für mich auch faszinierend, was die Anderen aus der Vorgabe gemacht hatten. Da war jemand, der besser mit dem Bleistift zurecht kommt, dort jemand, der sich das Mischen noch nicht so sehr zu eigen gemacht hat. Jeder hatte seine ganz eigenen Stil und wurde darin auch unterstützt. Nichts wurde aufgezwungen. Eine kleine Pause gab Gelegenheit, in einem kleinen Nebenraum mit Büro die Finger zu waschen und kurz das Gelernte zu verinnerlichen.

Zwischendurch kam auch Besuch in die Zooschule. Nicht unbedingt Zoobesucher - verschiedene Tierpfleger zeigten sich sehr interessiert an den Ergebnissen und auch die Direktorin, Dr. Heike Kück, erkundigte sich, ob noch etwas gebraucht wird.

Preisfrage: Welches Tier kann mit einer großen Ellipse und darauf einer kleinen quergestellten angelegt werden? Kleiner Tipp: Es kommt auch noch ein langer Schnabel dran und das Tier ist größtenteils schwarzweiß. Ja, richtig: Ein Pinguin. Wir malten einen Königspinguin mit Jungtier, das die Füße verdeckte. Man muss es sich ja auch nicht unnötig schwer machen. Als Vorlage stand in einer der Vitrinen sogar ein Präparat Modell. Bei meinem kleinen "Happy Feet" ist mir der Schnabel etwas verrutscht. Versuch macht klug...

Hier kamen auch Kohlestifte und Aquarellstifte zum Einsatz. Cordula empfahl Mut zum Technikmix. Vorsichtig gab es erste Hinweise auf Proportionen. Alles wieder wohldosiert und nicht überambitioniert. Saßen wir jetzt wirklich schon 3 Stunden hier? Unglaublich, wie die Zeit verflog.

Den Abschluss bildete eine Zeichnung mit einem Motiv, dass wir uns selbst auch einer Unmenge von Bildern heraussuchen durften. Ich hatte mir schon vorher eine meiner Lieblingstierarten vorgenommen - die Kurzkrallenotter. Es fand sich ein schönes Porträt von Ares. Zunächst einmal die geometrische Grundform finden, danach die Proportionen beachten. Es muss nicht gleich das komplette Tier sein, der Kopf reicht auch. Ich war überrascht, wie gut ich vorankam. Dann war die Zeit auch schon wieder um.

Im nächsten Frühjahr wird es wohl wieder einen Anfängerkurs geben. Bei genügend Nachfrage lässt sich aber vielleicht auch einmal etwas für die Fortgeschrittenen organisieren. Ich wäre gerne dabei, wenn es sich irgendwie einrichten lässt. Die Mappe mit weiteren Anleitungen, die jeder mit nach Hause nehmen konnte, wird die Zeit bis dahin gut überbrücken.

Fazit: Die 12 EUR (incl. Eintritt) haben sich absolut gelohnt. Viele neue Anregungen lassen meine Finger kribbeln. So ein Erdmännchen sollte ich vielleicht mal in Pastellkreide versuchen...

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