Samstag, 16. März 2013

Zoo am Meer: Rundgang Teil 8 - Endspurt

Es geht auf die Schlussetappe. Beim Verlassen der Grotte kommt man in einen kleinen Innenhof. Rechts und links stehen kleine Vitrinen, die im Winter nicht besetzt sind. Im Sommer tummeln sich hier Rotbauchunke, Feuersalamander und Ringelnatter. Um sie zu entdecken braucht der Besucher allerdings meistens viel Geduld und Glück.

Und gerade an Geduld mangelt es, wenn gleich gegenüber die Post abgeht. Am Fuß des Kea-Turms residieren Ares und Hera, die Kurzkrallenotter, mit ihrem jeweiligen Nachwuchs. Jeder Besucher wird genau inspiziert. Es könnte sich ja um einen Pfleger mit Futter handeln. Vorsicht ist angeraten mit Gurten, Bändern oder ähnlichen, denn die kleinen Kerlchen sind nicht nur extrem neugierig, sondern auch sprunggewaltig. Ich habe schon mal kurzzeitig einen von ihnen mit einer Kappe "geangelt".


Das Gehege ist wunderschön als Wasserlauf mit Ästen und Strauch gestaltet. Über eine Treppe flitzt die Truppe zu ihrem Schwimmbecken im hinteren Teil. Hier hat der Besucher den Spaß ihnen beim Tauchen zuschauen zu können. Alles wird mit Quietschen und Schreien kommentiert. Kein Stein (oder jetzt im Winter auch Eisstückchen), der nicht auf seine Tauglichkeit für Spiel und Spaß getestet wird. Sobald einer von ihnen etwas Interessantes entdeckt hat, jagen die Anderen sofort hinterher.

Selbst ein Blick ins Schlafzimmer ist möglich. Das bewährt sich besonders, wenn Hera ihre Jungen versorgt.

Die Fütterungen sind jedesmal ein Höhepunkt des Tages. Wie ja auch bei der Zoo-Doku gerne von den Tierpflegern erzählt wird, kennen die kleinen Otter beim Fressen keine Freunde. Das sind echte Raubtiere - aber einfach unwiderstehliche.



Es dauert immer eine ganze Weile, bis wir uns von diesem Anblick losreißen können. Durch den Spielplatz führt der Weg dann an einer originellen Wetterstation aufwärts zur Schnee-Eule Louis. Der Pflegling von Katja Seedorf wird auch in der Zooschule eingesetzt. Wie für eine Eule üblich, hockt er meistens auf einem Ast und schaut majestätisch über das Treiben im Zoo hinweg. Was er wohl so über die Besucher denkt? Oder über seine Nachbarn?

Nebenan zogen vor ca. zwei Jahren Zora und Larissa ein. Die sibirischen Eichhörnchen waren zunächst etwas schüchtern. Das ist aber vorbei und seit Herbst letzten Jahres sind sie sogar zu Dritt: Der Kavalier heißt Vitali. Den Namen erfuhr ich von Carmen Gürstler während des Zeichenkurses. Das verschmitzte Lächeln werde ich so schnell nicht vergessen.


Diese Unterart unterscheidet sich von unseren einheimischen Eichhörnchen allein schon durch die Färbung. Auch im Winter haben sie rote Köpfe und Pfoten. Ganzjährig betonen lange Fellbüschel die Ohren (bei den Einheimischen sind die ja nur im Winter zu sehen). Dazu kommt ein rötlicher Aalstrich über den Rücken bis zur Schwanzspitze. Der Rest ist grau.

Bei den aktuellen Temperaturen fühlen sie sich richtig wohl und legen keine Winterruhe ein.



Wir sind schon gespannt, wen sich Vitali als Braut aussucht und wie es dann weitergeht. Nachwuchs wird ja im sogenannten Kogel (dem Nest) aufgezogen. Aber sobald sie auch draußen toben, sind sie bestimmt ein echter "Must seen"-Hingucker.


Um eine Kurve herum und der Besucher steht vor einer Glastür, die in den Zoo-Shop führt. Wer noch Fachliteratur über die norddeutschen Naturschutzgebiete sucht, kann hier einiges finden. Der Zooführer (7,95 EUR) ist gerade wieder in Neuauflage erschienen, wird aber wohl im Sommer mit Eröffnung des Nordsee-Aquariums noch einmal überarbeitet. Zwei große Fenster sollten nicht einfach übergangen werden. Sie geben Einblick in das Innengehege von Köhlerschildkröten, Leguan und Weißgesichtsmarmosetten. Netterweise stehen vor dem größeren Fenster mehrere Stühle zum Ausruhen und Beobachten. Das in mehreren Etagen angelegte Gehege bietet dazu auch genügend Abwechslung. Wer nur kurz hinschaut, dem entgeht viel. Als besonderen Erfolg konnte der Zoo dieses Jahr die Geburt und erfolgreiche Aufzucht von Drillingen bei den Krallenäffchen verbuchen.





Damit ist der Rundgang abgeschlossen. Wir legen dann gerne einen Zwischenstopp im "Café am Meer" ein. Mein Leibgericht ist Kibbeling mit Kartoffelsalat, ein holländisches Gericht, das auch in Norddeutschland seine Liebhaber hat. Danach noch einmal Treppe rauf und von den Aussichtsplatformen einen Rundblick genommen. Oder - und das ist meistens der Fall - der Rundgang geht von vorne los.


Fazit: Der Zoo im Meer ist gerade mal 6 Hektar groß, doch extrem abwechslungsreich und informativ. Wenn in manchen Tierparks die Fütterungen nur als Pflichtprogramm angesehen werden und die Pfleger hinterher fast die Flucht ergreifen, haben wir hier noch sehr nette Kontakte knüpfen können. Hier sind alle mit Begeisterung dabei und das wirkt sich sehr positiv auch auf das Verhalten der Tiere aus. So viel Spiellaune und Zugehen auf die Besucher habe ich noch nirgends sonst erlebt.

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