Donnerstag, 16. Mai 2013

Besuch im Tierpark Sababurg am 22. März 2013


Nach einer Übernachtung im Bio-Hotel Grün in Gilserberg ging es als letzte Etappe unserer Frühlingsreise in den Reinhardswald zum Tierpark Sababurg. Mir war der Park unterhalb des Dornröschenschlosses nicht ganz unbekannt. Einerseits hatte ich einmal einen Bericht auf Vox in der Serie "Wildes Wohnzimmer" gesehen, wo es um kleine Waschbären ging. Andererseits hatte ein netter Kollege von der Flugshow geschwärmt. 

Der Park liegt im Weserbergland zwischen Kassel und der A7. Die Anfahrt ist von Hofgeismar und Hann. Münden auch mit dem Bus möglich. Kostenfreie Parkplätze stehen reichlich zur Verfügung. Der Park liegt wirklich mitten im Wald. Die Straße dorthin war schon ein Abenteuer für sich - aber landschaftlich wunderschön.


Die Eintrittspreise sind mit 7 EUR/Erw. erstaunlich niedrig. Dafür muss zwar die Rundfahrt mit dem gasbetriebenen Parkbus zusätzlich bezahlt werden (3 EUR), aber halt auch nur, wenn er fährt. Bei uns war dies aufgrund der Wetterlage - ein Glück, dass es irgendwann doch mal grün geworden ist - nicht möglich. Irgendwie auch fair, da wir nicht für etwas zahlen mussten, was wir überhaupt nicht nutzen konnten.

Was ich auch toll finde, ist der Parkführer. Dabei handelt es sich nicht um das übliche Buchformat, sondern um ein Ringbuch. Endlich mal keine gebrochenen Buchrücken oder Eselsohren - klasse. Der Preis geht mit 4,50 EUR auch in Ordnung.

Erste Äußerung meines Anderen im Park: "Haben die hier überhaupt Tiere?" Klar doch, allerdings mit viel Bewegungsfreiheit. Die ungefähr 700 Tiere in ca. 80 Arten haben insgesamt 130 (!) Hektar zur Verfügung (Zum Vergleich: Tierland Serengeti-Park Hodenhagen: 110 Hektar). Da ist der große Rundweg mal locker über 20 Kilometer lang. Laut Wikipedia liegt der Eingang bei 275 Metern über NN, der höchste Teil bei 355 m über NN. 

Insgesamt gibt es drei Schwerpunkte: Urwildpark, Haustierhof und Kinderzoo. Weitere wichtige Bestandteile sind das Wildpark-Museum, in dem man sich u. a. auf interaktive Weise den Problemen und Möglichkeiten von Erhaltszuchten nähern kann, und die Kultur- und Kirchenscheune.


Die Baustelle für die Erdmännchen
Der Plan sieht klasse aus
Der erste Eindruck meines Anderen kam nicht von ungefähr, denn im Bereich des Kinderzoos rührte sich nichts und wurde beherrscht von einer großen Baustelle für eine Erdmännchen-Anlage. Die sah aber schon auf der Zeichnung sehr einladend aus. Soviel Platz für die kleinen Scharrer habe ich bisher noch in keinem Zoo gesehen.


Daher wendeten wir unsere Schritte erstmal bergan zu den Fischottern. Dort war dann gleich mehr los. Unter einer dünnen Eisschicht verrieten Luftblasen die Bewohner, die kurz danach an Land sprangen. Diese bei uns heimische Otterart gehört zum Schwerpunkt Urwildpark. Wie wir später bei der Fütterung erfuhren, tummelten sich bei unserem Besuch auf der einen Seite eine Mutter mit ihren vier Jungen, während der Papa auf der anderen Seite im Exil war. Über Platzmangel konnten sich beide Parteien jedenfalls nicht beschweren. Es wurde auch an die Besucher gedacht, die z. B. von. einer  Plattform aus reichlich Einblick in das Gehege haben. 


Und jetzt wurde es wirklich anstrengend: Dicke Schneedecke und bergauf zur Greifvogelwarte. Immerhin 18 verschiedene Arten werden hier bei den täglichen Flugschauen eingesetzt. Und hat man den Aufstieg geschafft, ist der Ausblick auf den Park fantastisch. 



Eine "Rundhütte" bietet den Harris-Falken reichlich Platz zum Fliegen. Den Temperaturen zum Trotz scheinen bei zweien von ihnen die Frühlingsgefühle zugeschlagen zu haben. Es wurde nicht nur reichlich gebalzt, es kam auch zur Paarung - buchstäblich direkt vor unseren Augen. Schon einmal ein guter Auftakt. Es sollte aber noch besser kommen.

An einer Mauer entlang sind beim weiteren Aufstieg kleine Häuschen als Unterstand für die Vögel aufgestellt, die bei den drei Flugshows des Tages eingesetzt werden. Ich muss wohl nicht erzählen, wie lange wir daraufhin für den kurzen Weg gebraucht haben.

Hier nur ein paar Impressionen davon:




Irgendwann waren wir doch auf dem höchsten Punkt und versuchten gerade die Schleiereule in Ihrem Käfig abzulichten, da ging in einer kleinen Hütte die Tür auf. Der Falkner bat uns schon einmal Platz zu nehmen, sie würden mit den Vögeln gleich kommen. Und schon war er wieder verschwunden. Nach den letzten Aufnahmen - wenn wir schon den Anstieg einmal geschafft hatten - ging es den halben Berg wieder runter. Was dann folgte war eine exklusive Trainingsstunde mit Schleiereule (zu meiner besonderen Freude), Rotmilan, Harris-Falken, Seeadler und Blaubussard.




Die Erklärung war ganz simpel: Aufgrund der Witterung kam der Saisonstart für die Flugshows zwei Tage zuvor zu früh. Die Tiere hatten noch keine ausreichende Gelegenheit gehabt mit Publikum zu trainieren. Schließlich müssen sie auch erstmal ausprobieren knapp über die Köpfe zu segeln oder wo der beste Landeplatz im Geäst der Bäume ist. Gerade bei Letzterem tat sich der Adler hervor. Der hatte noch nicht so richtig Lust die Schwingen zu strecken. Anders die Falken, die mehr als eine Runde drehten, bis sie auf die Hand des Falkners zurückkehrten. Selbst im Wildpark Lüneburger Heide waren wir noch nie so dicht dabei. Ein dickes Dankeschön für dieses tolle Erlebnis. Allein dafür hatte sich die Fahrt schon gelohnt. In der Saison kann man sich übrigens auch mit den Vögeln fotografieren lassen.

Noch voll mit diesen Eindrücken ging es wieder bergab und Richtung Kinderzoo. Eigentlich wollten wir uns im Gasthof aufwärmen. Doch dann sahen wir am Eingang zur begehbaren Wellensittich-Voliere, dass man sich im Info-Büro Hirsekolben als Futter holen kann (1 EUR/Kolben). Da müssen wir nicht zweimal gebeten werden, sowas auszuprobieren. Mein Anderer wurde noch gewarnt, dass das Netz durch den Schnee etwas tief hängen würde. Er hatte aber keine Mühe. Ok, erstmal muss man herausfinden, wie der Kolben zu halten ist. Vorher wird man von den Sittichen glatt ignoriert. Hat man den Trick raus, hat man hungrige Gäste auf der Hand - oder auf und neben den Schuhen. Da blieb kein Krümelchen übrig. Wieso gibt es das eigentlich nicht in jedem Zoo? Einfaches Konzept, große Wirkung: Begegnung mit den Tieren, Tierbeschäftigung und reichlich Bewegung für die Piepmätze. Wir hatten uns übrigens den Kolben geteilt. Das reichte locker für minutenlangen Spaß bei allen Beteiligten.

An einem Ende rein, am anderen heraus und direkt bei den Kattas gelandet. Die saßen in ihrem warmen Haus und waren sehr an unserer Kamera interessiert.

Die Gibbondame "Chita", schon über 30 Jahre alt, hielt sich im Hintergrund.

Die verschneite Außenanlage bietet den Tieren sehr viele Möglichkeiten sich zu bewegen oder zum Sonnenbad. Beide Teile - innen und außen - sind noch relativ neu. Im Gegensatz zu den weiteren Gehegen im Kinderzoo wird hier - wohl auch aus Rücksicht auf die Seniorin - auf Abstand mit dem Besucher gehalten. Wie wir aus Thüle und Hodenhagen wissen, haben die Lemuren ja nichts gegen menschlichen Besuch.

Etwas weiter erstmal Rätselraten, wer denn hier wohnt. Nicht viel zu sehen. Ok, mal etwas lauter mit dem Futterbeutel (1 EUR und wirklich großzügig ausgefallen) geraschelt, spazierte ein schwarzes Schwein heran.

Es kam sogar unter dem niedrigen Zaun auf den Weg. Aus Respekt vor dem Gebiss schütteten wir seinen Futteranteil aber lieber in die Raufe statt aus der Hand fressen zu lassen. Es schien diese Lösung zu akzeptieren und ließ sich auch streicheln.

Die Waschbärenburg
Entzückend die Waschbärenburg: An der Seite des Geheges ein Spielplatz, wie er für die Kleinbären in unseren Breiten sehr verbreitet ist, ein Hinterhof mit Fahrrad und Mülltonne.



Wieder eine tolle Einrichtung: Der Bereich der Zwergkaninchen. Einerseits haben die Besucher die Möglichkeit über Leitern zu den Tieren hineinzuklettern. Andererseits haben die Mümmelmänner die Möglichkeit sich hinter einer Wand zurückzuziehen. Beide Seiten haben sehr viel Ausweichfläche. Klasse!

Irgendwie hat hier niemand Angst vor direkten Begegnungen von Mensch und Tier - auch wenn diese spitze Schnäbel haben. Wie anders kann man sich die begehbare Anlage für die Humboldt-Pinguine erklären?

Barrierefrei bin ich persönlich noch nie so nahe an die Frackträger herangekommen, die sich auch nicht stören ließen. Die Fütterung haben wir entweder verpasst oder sie fiel aus.



Jetzt war es für uns aber wirklich Zeit uns selbst zu füttern - auf "Zum Thiergarten".

Wisentleber
Tafelspitz
 Wisentleber und Tafelspitz - ultralecker und günstig. Das Fachwerk-Ambiente auf zwei Etagen ist stimmig und gemütlich. Die Bedienung schickte uns sogar nach oben, ohne daran zu denken, dass sie anschließend alles die Treppe hochtragen musste.

Frisch gestärkt ging es weiter. Die Flugshow hatte inzwischen eine größere Besetzung in Sachen Besucher. Wir schauten daher von unten noch einmal zu, bevor wir uns dem großen Gehege der Ziegen und Schafe zuwendeten. Die sahen gar nicht ein, durch den tiefen Schnee für uns zu stapfen. Mir ging dabei schließlich auch langsam die Puste aus.

Trotzdem wollte ich wenigstens die Steinböcke sehen. Die haben es wirklich toll getroffen. Wo andere Zoos extra Hügel aufschütten müssen, bietet hier der Burgberg ideale Bedingungen zum Klettern. Zusätzlich spendet ein kleiner Bach jederzeit frisches Wasser. Reichlich Nachwuchs unterstreicht noch die tollen Bedingungen.

Vorbei an Kirchenscheune und Haustierhof beschlossen wir den hinteren Teil (Wölfe, Elche usw.) für heute auszulassen.





Stattdessen "kürzten" wir zu den Luchsen, Wolverines (Vielfrasse) und Dybowski-Hirsche ab. Gerade die Anlagen für die Raubtiere sind ein Traum. Gerade die Luchse können hier schon fast Bedingungen vorfinden wie im Harz bei einer Auswilderung. Bei den Vielfrassen sind die Abschnitte mit kleinen "Höhlen" für die Besucher unterbrochen. Dort kann man durch Fenster den Tieren zuschauen. Ebenso gigantisch ist der Platz für Tarpane, Wisente, Altai-Maral und andere Wildtierrassen.



Hinter der ursprünglichen Umgrenzungsmauer wurden gerade die Wildschweine gefüttert. Dazu wird in einem umzäunten Bereich Futter in langen Linien verteilt. Die Tiere müssen dann einen schmalen Pfad dorthin finden. So ist auf einfache Weise jeder Streit ums Futter verhindert.

Wieder am Kinderzoo hatten sich die Wallabys inzwischen rausgewagt. Und hier hatte ich wirklich DAS Aha-Erlebnis. Die Kängurus kamen nicht nur sehr nah an mich heran. Sie ließen sich auch füttern und streicheln. Sehr wohlerzogen wurde Pellet für Pellet aus der Hand gepickt. Kein Rempelei oder ungeduldiges Drängeln. Ich bekam noch Unterstützung beim Füttern durch ein paar Kinder, damit jeder etwas abbekam. Ein Traum!




 Damit endete dann auch unser Besuch hier. Fazit: Sehr empfehlenswert, wenn man Wert auf die Begegnung mit Tieren legt. Die wenigen Exoten sind gut abgestimmt auf den ursprünglichen Charakter des Parks. Im Laufe des Jahres gibt es viele interessante Veranstaltungen, die uns mit Sicherheit demnächst wieder hierherführen werden.

Die ganze Bilderflut findet Ihr, wie üblich, auf Facebook.

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