Samstag, 18. Mai 2013

Flugshow "Jäger der Nacht" am 27.04.2013


Obwohl es schon ein bisschen her ist, will ich doch nicht verpassen von einer außergewöhnlichen Flugshow zu berichten. Ende April verlängerte der Wildpark Lüneburger Heide seine Öffnungszeiten und ermöglichte so, die "Jäger der Nacht" besser kennen zu lernen. Diese Veranstaltung war besonders auf Hobby-Fotografen ausgerichtet. Der Verlockung konnten wir nicht widerstehen und nutzten die Gelegenheit zu einem Tagesausflug.

Wir kamen nach einem ausgiebigen Spaziergang durch den Park recht früh am "Flugplatz" neben den Greifvogelvolieren an und fanden einen tollen Aussichtspunkt direkt unterhalb von einem der Türme. Einer der Falkner trainierte gerade mit zwei rosa Pelikanen. Augenscheinlich wollten "Paula" und ihr Kumpel keinen Fisch aus dem Teich fressen. Wofür hat man schließlich den Pfleger?

Es wurde auch untersucht, ob das komische schwarze Teil, mit dem ein anderer Falkner herum wedelte, essbar ist. Das Foto würde ich gerne mal sehen. Er taufte es "Magenspiegelung mal anders".

Irgendwann wurde es Zeit und die großen Vögel wurden mit sanftem Druck "überredet" die Bühne für die Show freizumachen.

Für uns war aber noch genügend Zeit für eine Besichtigung der Volieren. Während des Jahres ist dort der Nachwuchs für die Shows untergebracht. Jetzt am Saisonbeginn war die Besetzung naturgemäß etwas dünn.



Hier deshalb noch ein paar Impressionen von früheren Besuchen.

Waldkauz, Weißkopfseeadler und Co.
 

Um 18.30 Uhr war es dann soweit. Lothar Askani und sein Team betraten nach den letzten Instruktionen den Platz. Schnell räumte er mit den Vorstellungen auf, alle Eulen seien nachtaktiv. Größtenteils sind sie jedoch dämmerungsaktiv und jagen im Bedarfsfall auch tagsüber. Früher habe man die Eulen und Adler, Bussarde usw. einer Tierfamilie zugeordnet. In den letzten Jahren hat sich jedoch herausgestellt, dass die Eulen eine eigene Gruppe bilden, der Entwicklung wesentlich früher einsetzte. Ein äußeres Zeichen dafür sei zum Beispiel das Gewölle. Alle Greifvögel würgen diese Klumpen nach erfolgter Verdauung wieder heraus. Nur bei den Eulen enthielten diese jedoch neben dem Fell auch Knochen der Beutetiere, weil ihnen die spezielle Magensäure zur Zersetzung fehlt. Am auffälligsten sind natürlich die Augen, die unbeweglich sind. Dafür kann eine Eule ihren Kopf bis zu 270° drehen.

Die erste Fliegerin dieses Abends war Bartkauz "Luna". Diese Art ist in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel zu Hause. Daher ist ihr Gefieder auf Kälte abgestimmt. Obwohl sie so gewaltig wirken, sind die Männchen nur ca. 1, 6 kg und die Weibchen nur ca. 1,9 kg schwer. Nach dem langen Winter war Luna - trotz optimalem Flugwetter - nicht so richtig motiviert. Immer wieder landete sie mitten im Publikum und wartete auf die Hand ihrer Falknerin. Trotzdem schaffte sie letztendlich ihre Flüge und sorgte bei einigen Zuschauern für reflexartiges Kopfeinziehen.



Geburtstagskinder erhalten bei den Flugshows im Wildpark Lüneburger Heide immer eine besondere Chance. Sie dürfen sich selbst den Handschuh überziehen und einen Vogel auf die Hand kommen lassen. In diesem Fall die Schleiereule "Bibi". Und genau zu dieser Art hatte Lothar Askani eine große Bitte an alle Hausbesitzer. Damit diese schönste heimische Eule überleben kann, braucht sie Nistmöglichkeiten. Diese werden immer seltener. Dabei brauchen sie nur eine kleine Kiste mit Ausgang nach Draußen. Dafür eliminieren sie Mäuse und Ratten in der Umgebung konsequenter wie jede Katze.



Olga
Nach Bibi kam gleich die größte Eule der Welt: der Sibirische Uhu "Ivan". Wie schon Luna zuvor, hatte er auch noch gewisse Anlaufschwierigkeiten. Hier griff Askani mit seiner gesamten Autorität in der Stimme jedoch relativ energisch durch und verordnete Sonderrunden. Brav hörte er auch auf den Chef-Falkner - es lockte schließlich auch leckere Belohnung. Trotzdem erstaunlich, was so ein energisches "Hopp" quer über den Platz bewirken kann. Die Federbüschel über den Augen haben nichts mit dem Gehör zu tun. Eulen haben an der gleichen Stelle wie alle anderen Tiere ihre Gehörgänge. Sie sind nur durch die Federn abgedeckt.



Deutlich unkomplizierter - aber auch deutlich größer - Ivans Weibchen "Olga".

Weißgesichtseule
Indische Halsbandeule
Im Anschluss an die eigentliche Flugshow standen die Falkner mit ihren Vögeln noch für Fotos und Fragen bereit. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht, zumal noch zwei winzige Vögelchen dazu kamen: Eine indische Halsbandeule und eine Weißgesichtseule. Besonders Letztere erwies sich als sehr misstrauisch den großen Uhus gegenüber. Sie ließ sie nicht aus den Augen und bewies wie weit sie den Kopf drehen konnte.

Damit wir Besucher mit allen Sinnen die Tiere wahrnehmen konnten, war ein Kasten mit Federn der vorgestellten Arten aufgebaut. Jeder durfte feststellen, wie weich und flauschig sich sowas anfasst. Was auch nicht fehlen durfte, waren die unterschiedlichen Eier. Diese natürlich unbefruchtet ausgeblasen oder als Reste vom Schlupf.

Ich muss zugegen, ich konnte mich kaum von diesem Anblick losreißen und den Heimweg antreten. Die Flugshow "Jäger der Nacht" ist seit dieser Saison regelmäßiger Bestandteil der Veranstaltungen im Park. Dann aber am Nachmittag und unter aktiver Beteiligung der kleinsten Fotomotive an diesem Abend.





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