Samstag, 31. August 2013

Wolfcenter Dörverden

In idealer Lage auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz der Bundeswehr, eröffnete im Frühjahr 2010 das Wolfcenter Dörverden. Das Platzangebot mit derzeit 5,2 Hektar - größtenteils alter Baumbestand - ist ideal. Für die Zukunft ist ebenfalls genügend Platz für Erweiterungen da.

Bei seiner Gründung dachte noch niemand daran, dass es wieder freilaufende Wölfe in Niedersachsen geben könnte. Umso erfreulicher, dass es inzwischen die ersten Sichtungen gegeben hat.

Wir hatten 2011 erstmals die Möglichkeit zu einem Besuch und waren begeistert. Als Ziel haben sich die Gründer Frank und Christina Faß gesetzt einen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung über die Lebensweise des Wolfs zu erbringen. Daher wird hier der Wolf nicht wie in anderen Zoos unter anderem gezeigt, sondern steht im Mittelpunkt. So wird ein Vorurteil nach dem Anderen ad absurdum geführt.

"Der ist mir durch die Lappen gegangen" - wer weiß schon auf Anhieb, woher diese Redensart kommt. Der Wolf ist scheu und misstraut allem, was er nicht kennt. Und gerade ein Zaun, an dem sich solche Lappen ständig bewegen, ist ihm sehr suspekt. Da geht er ohne Not nicht durch - selbst, wenn auf der anderen Seite der schönste Leckerbissen wartet. Und seine Verwandten - die Hunde - verbindet er mit dem Menschen. Das sind die, die ihn seit Generationen jagen. Nur wer uns instinktiv ausweicht, der hat überlebt.

Deshalb lebt auf dem Gelände auch eine Schafherde mit einem Herdenschutzhund. Dieser ist mit den Schafen aufgewachsen und sieht sie als sein Rudel an. Dies führt dazu, dass er sie unter allen Umständen gegen Beutegreifer verteidigen wird.

Welpe aus der wilden Wolfsgruppe
Die Rudel bestehen aus Familienverbänden, den Elterntieren und ihrem Nachwuchs. Dieser verlässt jedoch irgendwann die Familie und zieht kilometerweit weg um eine eigene Familie zu gründen. Daher tauchen derzeit immer wieder vereinzelte Wölfe z. B. in Niedersachsen auf. Diese Junggesellen sind auf der Suche nach einem geeigneten Revier weit weg von den Menschen. Daher siedeln sie sich so gerne auf Truppenübungsplätzen an. Aus diesem Verhalten resultieren auch die Probleme der Zoos, ihren Besuchern intakte Rudel zu zeigen. Um nicht regelmäßig vor diesem Problem zu stehen, verzichtet das Wolfcenter auf die Zucht. Der Nachwuchs ist derzeit kaum in geeignete Haltungen abzugeben.

Einer der handaufgezogenen Wölfe
Entsprechend Geduld braucht der Besucher am Gehege der Wölfe, die "naturbelassen" aufgewachsen sind. Dieses Rudel ist scheu und zeigen sich nur kurz bei den Fütterungen. Im Gegensatz dazu sind die handaufgezogenen Artgenossen im Nachbargehege sehr entspannt. Auge in Auge mit Isegrimm sieht man, wie schön sie sind.

Wolfshund
Ein weiteres Gehege beherbergt ein Rudel Wolfshunde. In der Tschechoslowakei wurden Wölfe mit Schäferhunden gekreuzt. Die Nachkommen sollten besonders im Grenzdienst eingesetzt werden. Es stellte sich aber heraus, dass die Eigenschaften der Wölfe stärker durchschlugen als die des domestizierten Hundes. Wegen der Gewöhnung an den Menschen kam es - wie bei allen Handaufzuchten - zu einem Mangel an Unterordnung. Dem Besucher des Wolfcenter ist jetzt der direkte Vergleich des Verhaltens der beiden Rudel möglich.

Wegen der großen Sicherheitsvorkehrungen ist das "Schussfeld" zum Fotografieren sehr eingeschränkt. Als Lösung sind Fotoklappen in den Zäunen eingebaut. Die Schlüssel dazu kann der Besucher mieten (10 EUR/h bzw. 30 EUR/Tag). Zusammen mit dem Eintritt von 11 EUR/Erwachsenen kommen selbst bei nur zwei Personen relativ hohe Kosten zusammen. Da die Führungen und kommentierten Fütterungen jedoch inbegriffen sind, gleicht sich dies wieder aus.

Im übersichtlich gestalteten Infocenter, das in Zusammenarbeit mit dem Universum Bremen entstand, erfährt der Besucher noch weitere Einzelheiten zu dem schwierigen Verhältnis zwischen Mensch und Wolf. Wer keine Gelegenheit hat, das Center zu besuchen, kann auch den gut gefüllten YouTube-Kanal nutzen. Dort werden regelmäßig in kurzen Einheiten Fragen beantwortet. Die Macher freuen sich über Anregungen für weitere Filme.

Seit neuestem kann man im Wolfcenter auch übernachten (schöner Artikel in der Zeit). Darüber wurde auch bereits im NDR berichtet.

Für jeden, der sich für Wölfe interessiert, ist der Abstecher nach Dörverden inzwischen Pflichtprogramm. Im Laufe des Jahres gibt es dazu immer wieder interessante Veranstaltungen, wie demnächst ein Wolfsymposium.

Vor kurzem hatte ich übrigens Gelegenheit mal eine Frage über eine PN bei Facebook zu stellen. Die Antwort kam schnell und war sehr informativ.

Unser Album von 2012

1 Kommentar:

  1. Hallo bessere Hälfte :-)
    Voila bis du Platz 2 im Blogzug. Das hast du dir verdient mit all deiner Auflistung von Wildgehegen und den ganzen Zoos.Mein Frankfurter Zoo Beitrag steht noch aus aber in den nächsten Tagen lade ich ihn hoch. Schaue später in Ruhe noch mal bei dir rein. Mal sehen ob du meinen Liebling Zoo auch hast....

    Bis dann.
    Liebe Grüße
    brooke

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