Dienstag, 24. September 2013

Das neue Nordsee-Aquarium im Zoo am Meer

Am 14. September öffneten sich nach ca. einem Jahr Bauzeit die Pforten zum neuen Nordsee-Aquarium im Zoo am Meer, Bremerhaven. Damit kehrt diese Institution nach 12 Jahren wieder an seinen Ursprungsort zurück.

Für uns also Grund genug an einem freien Wochentag dorthin zu fahren.

Monatelang war der Durchgang zwischen dem Fenster zum Becken des Eisbären Lloyd und den Zwergottern regelrecht mit Brettern vernagelt. Jetzt sind hier eine Eingangs- und eine Ausgangstür, die in einen kleinen Vorraum münden.

Neben den Informationen zu Bauherren und Sponsoren findet sich hier auch ein Aufsteller, der darüber aufklärt, dass die Becken noch nicht voll besetzt sind. Dies hängt zum Einen mit der Verfügbarkeit einiger Arten zusammen, zum Anderen jedoch mit dem "Einfahren" der Filteranlagen. Als "gelernte" Aquarianerin weiß Dr. Kück, wie lange es braucht, bis auch die empfindlicheren Schützlinge einziehen können.

Dahinter herrscht hinter einem schwarzen Folienvorhang Dunkelheit, unterbrochen vom Licht der neun Becken.

Welch ein Unterschied zu unserem letzten Aufenthalt hier unten. Am Zootag 2012 hatten wir ein angeregtes Gespräch mit der Direktorin auf der damaligen Baustelle geführt.

So ganz hatte ich mir damals das Endprodukt nicht vorstellen können. Umso erstaunter bin ich jetzt, wie nah der Entwurf an die Realität heranreicht.


Schon das erste Becken nimmt Bezug auf die Weser, die direkt hinter der Zoomauer vorbeifließt. Das Brackwasser-Becken - Gemisch aus Salz- und Süßwasser im Mündungsgebiet - bietet sehr seltsamen Geschöpfen ein Zuhause. Der Aal schaute da noch etwas schüchtern. Immerhin ließ er sich blicken, während die Wollhandkrabbe es vorzog, in ihrer Höhle zu bleiben.


Das nächste Becken ist dem Thema Hafen gewidmet. Bei unseren Ausflügen in Bremen hatten wir uns kaum Gedanken gemacht, was z. B. im Neustädter Hafen unter der Wasserlinie abläuft. Ganz ehrlich: Ich habe nicht damit gerechnet, dass da überhaupt noch etwas lebt. Aber scheinbar tummelt sich doch so einiges da unten. Mit Knurrhähnen hätte ich dabei jedoch überhaupt nicht gerechnet.

Bei einem anderen Bewohner heißt es genau hinschauen: Der Scholle. Mir half einer der Knurrhähne, der beim Herumtrippeln auf eine trat. Mir kam gerade eine witzige Idee für ein Upgrade: Wie wäre es mit Lautsprechern, die die Geräusche der Fische in den Zuschauerraum übertragen?

Die verwendeten Steine stammen übrigens aus der direkten Nachbarschaft und wurden beim Abbruch der Rogge-Halle gesichert.

Die Seegras-Wiese (Becken 3) beherbergt derzeit vor allem kleinere Fischchen, Krabben, Krebse und Muscheln.



Das abschließende Becken auf dieser Wandseite ist Helgoland gewidmet. Hier residiert einer der neuen "Stars" des Aquariums: Den über 4 kg schweren Hummer Sigi II. Sein Vorgänger Sigi I. war kurz vor der Eröffnung beim Häuten gestorben. Seine schiere Größe rettete ihn vor dem Kochtopf in einem Feinschmecker-Restaurant und sichert ihm nun einen ruhigen Lebensabend in Bremerhaven.


Ein Schwarm silberner Doraden huscht an uns vorbei, ein gelber Algenwald schwankt in der leichten Dünung, an der blauen Wand klebt ein großer gelber Seestern: Die Nordsee zwischen der Insel Helgoland und dem Skagerrak findet in einem großen Abschnitt über fast die gesamte nächste Wandseite ihren Platz.

Allein 80.000 Liter der 200.000 Liter, die vor wenigen Wochen mit einem Ausflugsschiff direkt von Helgoland angelandet wurden, werden hier gebraucht.

Wer Geduld hat, findet bereits ein paar Heringe im Hintergrund. Nicht zu übersehen sind dagegen die beiden Störe. Entweder ziehen sie majestätisch ihre Bahnen oder ruhen im etwas tiefer gelegten Seitenbereich. Beeindruckend und erschreckend, wenn man bedenkt, dass sie immer noch vom Aussterben bedroht sind, weil die Menschen ihre Eier (Kaviar) so lieben.




Frage: Wird es auch Quallen - besonders die berüchtigten Feuerquallen - dort geben? Lassen wir uns überraschen, welche Arten noch dazukommen in den nächsten Jahren. Es soll bis zu 3 Jahre dauern, bis die Filteranlagen eingefahren sind.

Die Ecke des "Hintereingangs" ist dem Thema "Offshore-Windanlagen" gewidmet. Dabei werden die Vorteile (z. B. künstliche Riffe als Brutstätte gefährdeter Arten) und Nachteile (z. B. Änderung von Strömungsverhältnisse im empfindlichen Watt) einander gegenüber gestellt. Dem Besucher ist es überlassen, ob er pro oder contra höher bewertet. Eine sehr gute Idee.

Becken 6 wartet noch auf Hai & Co.
Ebenso findet die Verschmutzung unserer Meere durch Plastik Erwähnung. Es dauert Hunderte von Jahren bis er verrottet ist und bis dahin - bzw. wahrscheinlich auch lange darüber hinaus - gefährdet er das Leben von vielen großen und kleinen Individuen.

So öd und scheinbar leer wie das nächste Becken sollten unsere Meere nie aussehen. Hier liegt aber der Grund an seinen zukünftigen Bewohnern, die noch auf der "Wunschliste" stehen und baldmöglichst einziehen sollen.

An Handwerkern vorbei zu Becken 7. Die Seepferdchen sind wirklich entzückend. Aber genau hinschauen: Was wie Seegras ausschaut, könnte eine grüne Seenadel sein.





Becken 8 beherbert Otto, den Kraken. Der hielt sich bei unserem Besuch zurück und war in seiner Felsenhöhle nur zu erahnen. Der Getränkekasten mit einer offenen Flasche diente offenbar als Denksportaufgabe und war nach der Lösung uninteressant.

Es gibt Gäste, die sind im Tierreich nicht sehr willkommen, weil sie eigentlich nicht in das jeweilige Habitat (Lebensraum) gehören. Die Wissenschaft bezeichnet diese Arten als Neozoen. In der Nordsee gehören die Seespinnen dazu. Die riesigen Dreieckskrabben sollen gut schmecken, sind aber so aus der Nähe schon wirklich gruselig.

Ursprünglich im Atlantik heimisch, wurde sie vermutlich durch Ballasttanks von Schiffen in die Nordsee "eingeschleppt". Die Klimaerwärmung unterstützte zusätzlich ihre Ausbreitung. Als Allesfresser bedroht sie jetzt allerdings die Existenz heimischer Arten.

Eine große Tafel mit einer Zusammenfassung der vermittelten Inhalte beschließt den Rundgang. Abschließend sollte der Besucher aber den Blick auch auf den Fußboden richten. Er ist echte Handarbeit und eine Abbildung des Meeresbodens mit Sandwellen, Schollen, Krabben und weiterem Getier.

Fazit: Wer hier so eine Art Sealife erwartet, der wird enttäuscht. Das soll das neue Nordsee-Aquarium aber auch nicht sein. Es ist sehr eigenständig und ich fand es sehr interessant, was sich so alles unter der Wasseroberfläche in der Nordsee abspielt. Ich freue mich schon, was in den nächsten Monaten noch dazu kommt. (Das vollständige Album auf Facebook)

Kommentare:

  1. Danke für diese schöne Meeres-Zoo-Führung :)

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    1. Hallo Wurkseln :) Der Zoo am Meer ist immer wieder einen Besuch wert.

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