Montag, 28. Oktober 2013

Zoo Osnabrück: Takamanda

Kinder, wie die Zeit vergeht: Bei einem der ersten Besuche im Zoo Osnabrück erfuhren wir erstaunt von den Plänen für die neue Afrika-Anlage "Takamanda" (benannt nach einem Nationalpark in Kamerun). Groß wurde berichtet von einem afrikanischen Dorf, das als Spielplatz dienen sollte, und der schönen neuen Schimpansen-Anlage. Das war noch zu Zeiten als ein gewisser Christian Wulff aus Osnabrück niedersächsischer Ministerpräsident war. Er setzte sich für das Projekt ein und besorgte auch 5 Mio. Euro aus dem europäischen Fördertopf. Insgesamt kostete das Projekt 10 Mio. Euro. Ziel war es eine Savannenlandschaft zu schaffen, die nach dem Motto von Carl Hagenbeck, ohne sichtbare Gräben und Zäune auskommt.

Käme Planung von Ahnung,
sie schriebe sich anders
Die Realität sieht anders aus
Die Eröffnung der 5,5 Hektar großen Erweiterung wurde am 19. Juni 2010 gefeiert. Schon damals scheint aufgefallen zu sein, dass die Takamanda im Gegensatz zum Rest des Zoos ziemlich kahl aussieht (was ja nicht unbedingt einer Savanne widerspricht). Auf der "Gedenktafel" ist jedenfalls das Versprechen zu lesen, dass in den nächsten Jahren weitere Bäume gepflanzt werden. Bisher haben diese Bemühungen aber noch keinen sichtbaren Erfolg gezeitigt. Im Sommer ist dieser Bereich eine wahre Hitzehölle und die Besucher dürfen nicht nach 17 Uhr dort hingehen, denn dann sind alle Erfrischungsgelegenheiten geschlossen. Dann bleiben nur die Wasserhähne in den Toiletten, um sich etwas abzukühlen.

Für einige Arten sind diese Verhältnisse auch richtig, da es sich um Savannenbewohner handelt. Für Dschungelbewohner wie Mantelaffen (Guerezas) finde ich das jetzt allerdings mehr als problematisch. Sollten vielleicht deshalb zuerst Abasi im März und vor kurzem Lubaya die Flucht ergriffen haben? Bei der Aussicht wäre es ihnen nicht zu verdenken.

Aber eins nach dem anderen: Am Anfang steht ein Hinweisschild und ein defekter Jeep in einer Umzäunung.

Daran schließt sich ein stilecht gestalteter Souvenir-Shop an. Hier gibt es Tassen, Mauspads, Bleistifte und vieles mehr zum Thema Zoo und Afrika.

Was der Besucher bisher unter Bäumen und relativ im Schatten, geht es jetzt über eine überdachte Brücke in den Erweiterungs- bereich auf den Rundgang.

Zunächst breitet sich vor uns die Anlage der Mantelpaviane aus. Die Absperrung mit Glas und Wassergräben lässt genügend freie Sicht auf die Familienverbände. Diese suchen auf der großen Fläche nach Essbarem oder ruhen sich im Schatten einer Hütte für die Besucher aus. Schön sind die vielen Jungtiere, die auf ihren Eltern reiten oder in wilden Sprüngen miteinander spielen.



Wenige Schritte weiter kommen wir ins Haus der Weißscheitelmangaben und Warzenschweine. In zwei Stockwerken haben die Besucher die Möglichkeit die Tiere auf ihrer Insel oder in ihrem warmen Innengehege zu beobachten.



Nun geht es eine ganze Strecke bergab zu besagtem Dorf "Makatanda". Hier haben die Kinder das Sagen. Verschiedene Spielgeräte laden zum Austoben ein. Dazwischen ein paar Zwergziegen und Hausesel zum Streicheln.

Hier sind auch ein Selbstbedienungs-Restaurant und die Toiletten untergebracht.




Der wahre Hingucker ist das Gehege für die Zebramangusten. Die wuseligen Schleichkatzen konnten lange Zeit ihr Geheimnis wahren, wurden aber vor kurzem in flagranti ertappt: Sie sind die Panzer(glas)knacker im Zoo! Gleich nach der Eröffnung schob man die gesplitterte Scheibe noch auf die Hitze (!). Nach der Reparatur geschah es aber noch zu ganz anderen Jahreszeiten, dass das Sicherheitsglas zu Bruch ging. Des Rätsels Lösung: Die Scheibe wird so lange mit kleinen Steinen beworfen, bis sie zu Bruch geht. Diese Vorgehensweise kennt man aus der freien Natur, wenn es um das Knacken von Eiern geht. Aber Glas? Dabei haben sie reichlich Platz, auch wenn die Gruppe inzwischen auf 17 Mangusten angewachsen ist. Ausbrechen wollen sie daher wohl nicht...



Um das Dorf herum und wir stehen vor einer außergewöhnlichen Vergesellschaftung: Pinselohrschweine, Rappenantilope, Große Kudus und Rötelpelikane.

 

Über eine Brücke hinweg, bekommen wir erstmals Einblick in das Schimpansengehege. Zur besseren Übersicht existiert auch ein Turm. Diese Anlage gehört mit 3,1 Hektar zu den größten Arealen für diese Art Menschenaffen in Deutschland. Im Gegensatz zu Hannover lebt hier die westafrikanische Unterart, die z. B. in Kamerun zu Hause ist. Dort leben sie im Regenwald und in Halbsavannen. Bis zu ihrem Umzug lebten sie im alten Menschenaffenhaus mit Buschmann und Astrid zusammen.




Die kleine Nayla hatte leider nur ein kurzes Leben. Geboren im Januar 2012 wurde sie von ihrer Mutter Vakanga abgelehnt. Zum Glück fand sich in der Schimpansenfrau Vanessa eine fürsorgliche Adoptivmutter. Im September 2012 kam dann die schockierende Meldung: Nayla ist tot. Was letztlich die Ursache war, konnte ich bisher nicht erfahren. Ansonsten entwickelt sich die Gruppe aber sehr gut und genießt ihre Anlage.

Was anscheinend nicht auf die Bewohner auf der gegenüber gelegenen Anlage zutrifft. Hier wohnten bisher Goldschakale und vermehrten sich auch fleißig. In diesem Jahr zogen sie in die alte Anlage der Afrikanischen Wildhunde um und machten so Platz für die Guerezas. Es bleibt zu hoffen, dass die versprochene Bambusbepflanzung gut anwächst und schnell die Aussicht auf die Autobahn versperrt.



Der Ausflug von Lubaya wird für sie allerdings nicht ohne Folgen bleiben. Sie wird demnächst in einen anderen Zoo umziehen, da der Zoo der Ansicht ist, dass ihre Flucht mit Streitigkeiten in der Gruppe zusammenhängt. Alles Gute, Kleines!

Bevor es dann ins Schimpansenhaus geht, kommen wir noch bei den Servalen vorbei. Die Katzen haben ein sehr hügeliges Gelände mit einem kleinen Teich. Der dichte Bewuchs ermöglicht es ihnen im Grünen unterzutauchen. Am Besten zu beobachten sind sie gegen Abend.



Damit kommen wir an ein zweistöckiges Holzhaus, das für die Schimpansen sowohl für die kälteren Tage als auch Nachts als Unterkunft dient. Die Innenanlage ist als Dschungel gestaltet und es gibt sogar ein paar geflügelte Untermieter. Der Innenbereich im "Zoo am Meer" in Bremerhaven mag größer sein, dafür aber weniger abwechslungsreich.



Wieder draußen, kommen wir zu einem weiteren Höhepunkt: dem Gehege der Tüpfelhyänen. Die größte und kräftigste Hyänenart hat sich hier gut eingelebt. Lulonga und Badu sind im August schon das zweite Mal Eltern geworden. Sohnemann Balai (geb. 2012) darf sich im Gegensatz zu seinem Vater schon den Kleinen nähern und sogar bei der Aufzucht mithelfen. Badu darf dagegen nicht in ihre Nähe kommen und dreht nervös seine Runden sobald Lulonga und die Kleinen draußen sind. Das ist auch meistens gegen Abend.



Damit sind wir genug gegrillt worden und wenden uns wieder dem Wald zu.




Sehenswert: Video auf YouTube

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