Sonntag, 10. November 2013

Der Klugschiss zwischendurch: Affe ist nicht gleich Affe

Alaotra-Bambuslemur
Letztens hatten wir eine Heizungsablesung. An sich nichts Besonderes, aber dem Mann fiel meine Fotowand ins Auge. Dabei besonders das Bild von einem kleinen Alaotra-Bambus-Lemuren, den wir im Durrell Wildlife Conservation Trust auf Jersey gesehen haben.

"Oh, der sieht aber auch kuschelig aus.", meinte er spontan. Als ich ihm allerdings erklärte, um was für ein Tier es sich handelt, schaute er mich nur leicht verwirrt an und meinte: "Affe reicht. Auch, wenn er nicht wie ein Affe aussieht."
Geoffroy-Klammeraffe

Was mich zu der Frage bringt:

Wie viele Affen-bzw. Primaten-Arten gibt es? 


Eine Art kennen wir alle: Das ist der Mensch selbst. Auch, wenn das einige immer noch nicht ganz einsehen wollen. Weitere Menschenaffen sind Gorilla, Orang Utan, Schimpanse und Gibbon. Schon hier gibt es weitere Unterarten:



Menschenaffen

Westlicher Flachlandgorilla
- Gorilla, 2 Arten mit jeweils zwei Unterarten:
Westlicher Gorilla, der in den Westlichen Flachlandgorilla und den Cross-River-Gorilla aufgeteilt wird
Östlicher Gorilla, bei dem zwischen dem Östlichen Flachlandgorilla und dem Berggorilla unterschieden wird.



Sumatra-Orang-Utans


- Orang Utan, 2 Arten nach ihrer jeweiligen Herkunft:
Borneo-Orang-Utan mit 3 Unterarten
Sumatra-Orang-Utan





Gemeiner Schimpanse
-Schimpansen, 2 Arten:
Gemeine Schimpansen, unterteilt in 4 Unterarten:
Westafrikanische Schimpanse oder Echtschimpanse
Nigerianisch-Kamerunsche Schimpanse
Zentralafrikanische Schimpanse oder Tschego
Ostafrikanische Schimpanse oder Langhaarschimpanse
Bonobo oder Zwergschimpansen


Damit kommen wir von den großen Menschenaffen zu den kleinen Menschenaffen.

Siamangs
-Gibbons, 4 Gattungen in 15 Arten:
Gattung Symphalangus
Siamang (S. syndactylus)

Gattung Schopfgibbons (Nomascus)
Westlicher Schwarzer Schopfgibbon (N. concolor)
Östlicher Schwarzer Schopfgibbon (N. nasutus)
Nördlicher Weißwangen-Schopfgibbon (N. leucogenys)
Südlicher Weißwangen-Schopfgibbon (N. siki)
Nördlicher Gelbwangen-Schopfgibbon (N. annamensis)
Südlicher Gelbwangen-Schopfgibbon (N. gabriellae)

Nördlicher Weißwangen-
Schopfgibbon

Gattung Hoolock
Weißbrauengibbon (H. hoolock) – die beiden Unterarten werden manchmal als getrennte Arten geführt
Weißhandgibbon

Gattung Kleine Gibbons (Hylobates)
Kloss-Gibbon (H. klossii)
Kappengibbon (H. pileatus)
Grauer Gibbon (H. muelleri)
Silbergibbon (H. moloch)
Schwarzhandgibbon (H. agilis)
Weißhandgibbon (H. lar)
Weißbartgibbon (H. albibarbis)

(Quelle: Wikipedia)




Und das sind nur die Menschenaffen. Wesentlich unübersichtlicher wird es für den Laien, wenn es um die weiteren Kategorien geht. Früher bezeichnete man sie allgemein als Tieraffen. Heute ist man da genauer. Vielleicht habt ihr ja schon einmal etwas von Altwelt- und Neuwelt-Affen gehört oder sogar von Feucht- und Trockennasenaffen.

Junger Drill

Trockennasen-Affen


Die Menschenaffen bzw. höheren Affen gehören zu den Trockennasen. Diese haben sich vor ca. 63 Mio. Jahren von den Feuchtnasen abgespalten und weiterentwickelt. Man unterscheidet Koboldmakis und "eigentliche Affen". Diese unterteilen sich dann in Alt- und Neuweltaffen.

Weißgesichtsmarmosette
Rothandtamarin
Der kleinste Vertreter ist das Zwergseidenäffchen, das in Südamerika beheimatet ist, also zu den Neuweltaffen gehört. Weitere Vertreter sind z. B. Unari, Silberäffchen, Tamarine und Marmorsetten. 

Außerdem werden auch die Kapuziner- (9 Arten), Brüll- (10 Arten) und Klammeraffen (7 Arten) den Neuweltaffen zugeordnet.

Weißschulterkapuziner
Goldener Brüllaffe
Liszt-Affe
Zwergseidenäffchen
Totenkopfäffchen
Zu den "eigentlichen" Affen gehören alle bekannten Arten Afrikas und Asiens. Sie werden auch als die "Meerkatzenartigen" bezeichnet.

Berberaffen
Der bekannteste Vertreter unter den Altweltaffen neben den Menschenaffen ist der Berberaffe bzw. Magot. Da sie sehr robust sind, konnten sie sich auch unserem Klima anpassen. Wild leben sie zum Beispiel auf Gibraltar. Daher werden sie in vielen Tiergärten gehalten - teilweise in begehbaren Gehegen wie im Serengeti-Park, Hodenhagen, oder im NaturZoo Rheine.

Die Koboldmakis kommen in Südostasien vor und sind vorwiegend nachtaktiv. 3 Gattungen in ca. 10 Unterarten sind bisher bekannt. In deutschen Zoos sind sie leider derzeit nicht zu sehen. 

Die Meerkatzenverwandten werden in zwei Unterfamilien mit je zwei Gattungsgruppen und insgesamt 22 Gattungen mit rund 135 Arten unterteilt:
Husarenaffen
Unterfamilie Backentaschenaffen
Tribus Meerkatzenartige
(Eigentliche) Meerkatzen, 25 Arten
Grüne Meerkatzen, 6 Arten
Sumpfmeerkatze
Zwergmeerkatzen, 2 Arten
Husarenaffe



Dschelada
Ceylon-Hutaffe
Tribus Pavianartige
Drill
Makaken, 22 Arten
Rotscheitelmangabe
Paviane, 5 Arten
Backenfurchenpaviane (Mandrills), 2 Arten
Dschelada
Weißlid-Mangaben, 6 Arten
Schwarzmangaben, 6 Arten
Kipunji-Affe oder Hochlandmangabe

Colobus bzw. Guereza

Unterfamilie Schlank- und Stummelaffen
Tribus Stummelaffen
Schwarz-weiße Stummelaffen (Colobus), 5 Arten
Rote Stummelaffen (Piliocolobus), 9 Arten
Grüner Stummelaffe (Procolobus verus)



Haubenlangur
Tribus Schlankaffen (Presbytini)
Untertribus Languren (Presbytina)
Hanuman-Languren (Semnopithecus), 7 Arten
Haubenlanguren (Trachypithecus), 17 Arten
Mützenlanguren (Presbytis), 11 Arten
Kleideraffen (Pygathrix), 3 Arten
Stumpfnasenaffen (Rhinopithecus), 4 Arten
Pageh-Stumpfnase (Simias concolor)
Nasenaffe (Nasalis larvatus)

Hanuman-Languren
(Quelle: Wikipedia)

Feuchtnasenaffen


Katta
Schwarz-weißer Vari
Die beliebtesten Vertreter der Feuchtnasen sind die Lemuren. Sie kommen nur auf Madagaskar und vorgelagerten Inseln vor. Bei dieser Tierfamilie kommt es immer wieder zur Entdeckung von neuen Arten. Derzeit liegt die Anzahl bei ca. 100 Arten.

Weißkopfmaki
Alaotra-Bambuslemur
Rotstirnmaki
Ebenfalls nur auf Madagaskar zu finden ist das Aye Aye bzw. Fingertier. Es ist nachtaktiv und fällt besonders durch seine außergewöhnliche langen "Zeigefinger" auf, mit denen er im Holz nach Würmern bohrt. Es bildet seine eigene Art innerhalb der Feuchtnasen.

Die dritte und letzte Gattung sind die Loriartigen. Dazu gehören z. B. der Plumplori und das Buschbaby.

Wie viele gibt es denn nun?

"Buschi" Buschmann
Schwirrt euch schon der Kopf? Mir jedenfalls bei der Recherche. Das Thema hatte ich mir nicht so ausufernd vorgestellt. Bei der Anzahl der Arten schwanken die Angaben zwischen 387 und ca. 450. Immer mal wieder werden neue Arten gefunden oder Gattungen neu aufgeteilt.

Diese Aufteilungen erfolgen z. B. im Zuge von genetischen Forschungen. Damit kommen einige Zoos in Probleme. Osnabrück hat beispielsweise mit Buschmann einen beeindruckenden Orang Utan. Doch da er sich als Mischung aus Sumatra- und Borneo-Unterart herausgestellt hat, darf mit ihm nicht gezüchtet werden. 

Weiterführende Links

Wer noch tiefer in das Thema eintauchen will, dem kann ich folgende Links empfehlen:
- Die biologische Vielfalt der Primaten (Präsentation eines wissenschaftlichen Vortrags)
- WWF - Meldungen zu neu entdeckten Arten und Gefährdungsstatus
- Zootierliste - wo finde ich welche Art?

Ausflugstipp

- Apenheul, Apeldoorn (NL) - der Affenpark mit der größten Vielfalt in Europa, dessen Bewohner größtenteils frei im Gelände umherlaufen.

Wenn Ihr auch Ideen für einen "Klugschiss zwischendurch" habt, dann immer her damit.

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