Dienstag, 19. November 2013

Zoo Osnabrück: Das Tal der grauen Riesen

Schräg gegenüber von der Baustelle von Angkor Wat II (Tiger) beginnt das "Tal der grauen Riesen". Bis vor wenigen Monaten (seit 2007) residierte hier noch eine Herde afrikanischer Elefanten. Da es innerhalb der Gruppe jedoch zu Streitigkeiten kam, wurde diese Haltung aufgegeben. Als letzter reiste im Frühjahr der Jungbulle Tutume nach Kanada ab. Er hat sich dort inzwischen gut eingelebt und soll auch mittels künstlicher Befruchtung für den Erhalt seiner Art sorgen.




Zunächst sollte ein Teil der Herde aus dem niederländischen Tierpark in Emmen eine neue Heimat am Schölerberg finden. Das scheiterte jedoch, da zwei aus dem asiatischen Quartett positiv auf Tuberkulose-Erreger getestet wurden.

Die Pläne für eine Zucht mit den asiatischen Elefanten musste daher zunächst einmal aufgegeben werden.

Stattdessen macht sich jetzt eine Junggesellen-Bande hier breit. Der Anführer heißt Luka und ist ein wahrer Riese. Der geborene Belgrader hat in seinem Leben schon so einiges mitgemacht. So ist der Schölerberg bereits seine siebte Station. Mit seinen 40 Jahren hat er mit verschiedenen Kühen sieben Kälber gezeugt, von denen aber leider nur zwei überlebt haben. Jetzt ist er der Patriarch einer Truppe Halbstarker zwischen fünf und drei Jahren:

- Shanti
-Nuka
-Dinkar
-Shahrukh

Während sich die ersten noch aus Hannover kennen, wo sie geboren wurden, stieß mit Shahrukh ein Hagenbecker hinzu, der mit "Leopard, Seebär & Co." sogar Fernseherfahrung hat. Ob er wohl seinen neuen Freunden davon erzählt?



Die 3 Hektar große dreiteilige Anlage bietet einiges an Abwechslung: mehrere Badebecken, Schlammsuhle, Sandbad und für die vorwitzigen Rüssel geheimnisvolle Löcher in der Wand, die teilweise mit Leckerchen gefüllt sind.

Anders als in Hamburg und Hodenhagen ist das Füttern durch die Besucher nicht erlaubt. Das ist bei einer reinen Bullenhaltung auch nicht zu empfehlen. In Osnabrück wird schon seit Jahren "Hands-Off" gehalten, das heißt die Pfleger sind immer durch Gitter von ihren Tieren getrennt (NOZ-Bericht).

Innenansicht Elefantenhaus
Nicht verpassen sollte man den Blick ins Elefantenhaus. Erst vor kurzem wurde der Zoo als "Leuchtturm-Projekt" für seine besondere energiesparende Lösung mit dem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet (3Sat-Bericht). Allein die Infrarot-Lampen unter der Decke sparen bis zu 30 Prozent Strom. Selbst im dicksten Winter wird es auf diese Weise den Bullen auch bei offenen Türen nicht kalt werden.

Gleich neben dem Elefantenhaus heißt es sehr genau hinschauen. Das Gehege hat schon einige Bewohner erlebt - unter anderem lebten hier Warzenschweine bis sie in die Takamanda umzogen. Heute verschlafen hier zwei Löffelhunde, ein Geschwisterpaar, den größten Teil des Tages. Wie es sich für Wüstenbewohner gehört, sind sie dämmerungsaktiv. Meistens liegen sie zu zweit rechts hinter einem kleinen Vorsprung. Irgendwann gibt es hoffentlich auch die Möglichkeit für Nachwuchs, der bestimmt die Anlage tüchtig aufmischen wird.



An dieses Anlage schließt sich das Nashorn-Haus an. Hier lassen große Scheiben den Blick auf die Tiere zu, wenn sie mal drinbleiben müssen. Anschließend gabelt sich der Weg und wir halten uns links, um zu einem weiteren Haus, der "Wüstenbaude", zu kommen.

Besonderes Highlight sind hier die Sandkatzen. Diese Art wird sehr selten in deutschen Zoos gezeigt (weitere Haltungen nur in den Zoos Berlin und Wuppertal). Dank ihres sehr trockenen Lebensraums gelten sie als am wenigsten gefährdete Katzenart und sind als "gering gefährdet" eingestuft. Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick. Der große Kopf, die grünen Augen und großen Ohren passen voll auf das Kindchenschema. Die Kleinkatzen sind aber durchaus wehrhaft, wenn ich mir die Krallen und Zähne anschaue. Es gab auch schon Nachwuchs. Und der hat wirklich einiges aus dem Feld geschlagen an Knuffigkeit. Ein Abstecher dorthin ist daher Ehrensache für uns. Interessant: Osnabrück ist der Zuchtbuchführer des EEP für die Sandkatzen.



Mitbewohner im Haus sind Kurzohrrüsselspringer. Sie gehören zu den nicht gefährdeten, aber in Zoos sehr beliebten Arten. Dank der erhöhten Vitrine kann man sie sehr gut beobachten.



Wir verlassen das Haus und folgen einem fast tunnelartigen Weg. Es lohnt sich aber durch die Reisigmatten zu schauen, denn hier genießen die kleinen Kudus eine Rückzugsmöglichkeit und fühlen sich unbeobachtet.



Hier wohnten auch schon Mrs Grays Wasserböcke. Heute bevölkern neben den Kudus auch Marabus die Anlage. Der karge Boden mit einem kleinen Teich und seinem Baumbestand sind ideal für die Gazellen.



Der erwähnte Weg trifft auf den Hauptweg und es geht bergauf nach links. Bei seinem Antritt als Zoo-Direktor dürfte es Prof. Böer zum nächsten Gehege gezogen haben. Denn dies ist die Außenanlage der Breitmaulnashörner, auf der zwei schwergewichtige Damen aus dem Serengeti-Park Hodenhagen, wo er zuvor als Tierarzt und zoologischer Leiter arbeitete, wohnen.

Und besonders Lia hat es in sich. Mit 5 Jahren kam sie 2007 nach Osnabrück. Damals lebte Bianca noch, die aber kurz darauf im Alter von 39 Jahren verstarb. Es wurde viel Hoffnung auf die Zusammenführung mit dem Bullen Floris gesetzt. Doch sie war überhaupt nicht auf nähere Bekanntschaft erpicht und hielt ihn auf Abstand. Das verstärkte sich noch als ihre Halbschwester Marcita aus Hodenhagen dazukam. (Artikel des Zoos) Das Damentrio ergänzt Amalie, ebenfalls aus Hodenhagen.

Kürzlich wurde bei allen vier Tieren eine Fruchtbarkeitsuntersuchung durchgeführt. Alle sind fruchtbar, Floris (durch seine neuen Paten in Hansfranz umgetauft) ist aber aufgrund seines Alters nicht mehr in der Lage, seine "ehelichen Pflichten" auf normalem Weg zu erfüllen. Deshalb soll es jetzt künstliche Befruchtung richten. Mit ersten Ergebnissen wird im Frühjahr 2014 gerechnet.

Der erhoffte Nachwuchs wird auf der zwei Hektar großen Anlage genügend Spielkameraden haben. Neben ihren Artgenossen wuseln hier Pinselohrschweine, Blessböcke und seit neuestem auch Chapman-Steppenzebras herum. Letztere wurden gewählt, da sich die Haltung von Grevy-Zebras in Osnabrück nicht bewährt hat. Sie wurden an einen Privathalter abgegeben.



Damit führt uns der Weg schon aus dem Tal hinaus. Am Ausgang wird es für mich als Bienengift-Allergiker etwas gefährlich, denn hier steht die Hütte der Imker. Die Bienenvölker sind aber bisher immer friedlich geblieben.



Auf geht es nach Nordeuropa! Kajana-Land wartet...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen