Mittwoch, 1. Januar 2014

Tierpark Sababurg, 7. September 2013 - Urwildpark

Endlich wieder genügend Muse für einen Ausflug in einem der erstaunlichsten Tierparks, die wir bisher besucht haben. Auf den ersten beiden Etappen waren die Dimensionen noch relativ im gewohnten Rahmen. Jetzt heißt es nicht mehr in Quadratmetern, sondern in Hektar denken. Hier wird den Tierarten viel Platz gelassen und einige meiner Zoo-Freunde kommentierten das dann so: "Da latscht man sich die Füße ab und sieht nichts." Das kann, wenn es schlecht läuft, tatsächlich passieren. Aber das kann doch in jedem Zoo ein guter Grund für einen weiteren Besuch sein, oder? Deshalb Wanderschuhe geschnürt und den Rucksack geschultert.

Von der Greifvogelwarte geht es also zum Urwildpark. Der Tierpark versucht hier unter anderem den ursprünglich im Reinhardtswald ansässigen Arten eine Chance zu geben. Es geht aber auch um den Erhalt von Wildformen unserer heutigen Haustiere und Rückzuchten.

Da wir die Mufflons bisher nicht in ihrem begehbaren Gehege besucht haben (entweder zu nass oder zuviel Schnee), war die derzeit einzige Sichtung noch von der Warte aus. Dort schauen sie aber durchaus neugierig herüber.
Rainer
Bianca mit Nachwuchs
Am Fuße der Warte tummeln sich Bianca, Rainer und ihr jeweiliger Nachwuchs. Das Gehege der eurasischen Fischotter ist zweigeteilt, weil die Aufzucht der Welpen reine Frauensache ist. Daher zieht sich Rainer dann in seine Anlage zurück. Neben viel Gelegenheit zum Schwimmen und Tauchen in See und Bachlauf, können sie auch über Wiese und durch ein kleines Gehölz toben. Für die Besucher gibt es verschiedene Beobachtungsplätze, unter anderem eine Plattform auf dem Nachthaus. Von hier aus wurde bei unseren Besuchen auch gefüttert. Deshalb empfiehlt es sich fast, diese von einem anderen Standpunkt zu beobachten. Sonst entgeht einem einiges.

Die Bilder entstanden teilweise im März, als noch Schnee lag.



Folgen wir dem äußeren Weg weiter entlang der Mufflon-Anlage kommen wir zu den Westkaukasischen Steinböcken, auch Tur genannt. Ein Bock mit einem Harem von sechs Weibchen mit dem Nachwuchs lebt hier. In Anbetracht, dass es in der freien Wildbahn durch Wilderei und Schrumpfen des Lebensraums nur noch knapp 10.000 Exemplare gibt, ist das Gelände hier eine wunderschöne Arche. Im Gegensatz zum Alpensteinbock, lebt diese Art auch unterhalb der Baumgrenze. Die Anlage unterhalb des Dornröschenschlosses ist also ideal, was auch die reiche Nachkommenschaft beweist.



Vorbei an zwei Tierarten, die erst im nächsten Abschnitt (Haustierpark) vorgestellt werden, ist unsere nächste Station die Weide der Przewalski-Pferde. Die Herde von Hengst Spot und seinen 11 Stuten mit Fohlen bei Fuß ist eine von drei Pferderassen im Park.

Weiter geht es an der ursprünglichen Begrenzungsmauer entlang zu einer Tierart, die in Deutschland bereits als ausgestorben galt. Als sie 1991 einzogen, glaubte wohl niemand, dass sie irgendwann mit ihren wilden Artgenossen im Urwald nebenan um die Wette heulen könnten. Die Rede ist natürlich von europäischen Grauwölfen. Das neunköpfige Rudel hat eine ruhige Senke abseits vom Getümmel der Veranstaltungen für sich. Sie bietet schöne Beobachtungs-, aber auch Rückzugsmöglichkeiten. In Zukunft soll sie nach dem Willen des Fördervereins umgebaut werden. Das Spendenprojekt profitiert hierbei auch von den regelmäßigen Veranstaltungen rund um den Wolf, wie die beliebten Wolfsnächte.

Bei unserem Besuch hatte sich das Rudel in die hinterste Ecke verzogen und hielt Siesta. Dabei ließen sie sich auch von den menschlichen Beobachtern nicht stören. Die Wache zog ruhig seine Runden.



Eine alte Tradition aus den Zeiten als Jagdgehege führt der Tierpark nur wenige Meter weiter fort. In einem der größten Gehege leben weiße Rothirsche und weißes Damwild. Teilweise geht man hier über Bohlenwege, die organisch in die bestehende Landschaft eingefügt worden sind. Dazu gehört auch, dass Bäumen ausgewichen wird.



Das erste Damwild wurde dem Landgrafen Ludwig IV. vom dänischen König Friedrich II. geschenkt. Diese 30 Tiere waren vermutlich noch normal gefärbt. Im Laufe der Domestizierung traten verschiedene Farbschläge auf, die dann gezielt gekreuzt wurden. Ähnliches geschah mit dem Rothirsch, wobei hier auch die Legende des hlg. Hubertus eine gewichtige Rolle spielt. Sein Attribut ist ein weißer Hirsch mit einem Kreuz im Geweih. Passend daher der Blick über das Gehege auf die Zelte der Festwiese.

Vorbei an den mächtigen Wapiti-Hirschen erreichen wir den höchsten Punkt des Parks (355 m ü. NN).



Hier wurde damals noch fleißig an der neuen Elchlodge gebaut. Inzwischen sind hier die ersten Tiere vorsichtig eingewöhnt worden. Wir sind gespannt, wie sich der Elchbock und seine drei Damen verhalten werden, wenn die ersten Besucher durch ihr Reich wandern.



Langsam ging mir jetzt die Puste aus. Deshalb ließen wir den Bereich von Rentier und (normal gefärbtem) Rotwild genauso wie die Volieren aus und richteten die Schritte zum Rondell. Hier war übrigens eine Haltestelle der Tierparkbahn für die Besucher des Mittelalterfests eingerichtet.

 Heiß begehrt war ein Foto mit dem Denkmal der "wilden Lappland-Frau", die mit den ersten Rentieren vor über 400 Jahren in den Thiergarten kam. Sie sollte die Tiere versorgen, die aber aufgrund der unbekannten Flora und den immensen Anstrengungen auf der Reise schnell eingingen. Zunächst blieb die Frau noch in Hofgeismar. Doch irgendwann verschwand sie und niemand hat sie seither wiedergesehen. Bestimmt ist sie auch im Lappland-Lager ab April ein Thema.

Vater Kalle wartet auf eine neue Frau
Licht und Schatten haben im letzten Jahr das jetzt folgende Gehege bestimmt. Zunächst freuten sich alle Beteiligten im Mai über doppelten Nachwuchs bei den Luchsen. Die Eltern Kalle und Lina hatten ganze Arbeit geleistet. Dann im August die schreckliche Nachricht: Mutter Lina hing tot in einer Astgabel. Anscheinend hatte sie die Baumhöhle verlassen und war ins Straucheln geraten.


Die beiden Halbwaisen sollten aber nicht zusehr an Menschen gewöhnt werden. Es ergab sich, dass Lina bereits mit dem Entwöhnen begonnen hatte. Rund eine Woche nach der Tragödie nahmen sie erstmals Fleischbrocken an. Eine große Hürde auf dem Weg zum Erwachsenwerden war genommen. Zum Zeitpunkt des Mittelalterfestes hatte sich schon eine gewisse Routine eingestellt. Hinter Strohmatten, die sie gegen die Besucher etwas abschirmte, spielten sie oder schauten neugierig, was da für Gestalten ihr Unwesen im Park trieben.

Wir konnten uns kaum von den süßen Kätzchen losreißen und haben öfters in den zwei Tagen vorbeigeschaut.

Bald werden sie wohl selbst Familien gründen können - vielleicht sogar in einem Auswilderungsprojekt.



Spannend sind auch die Nachbarn: Vielfraße. Die großen Marder "Helga" und "Hägar" haben sich bei unseren Besuchen immer nur kurz gezeigt. Am ehesten gelingt dies um die kommentierten Fütterungen herum.

Die drei großen miteinander verbundenen Anlagen sind sehr abwechslungsreich und lassen auch dem Besucher sehr viel Möglichkeiten zur Beobachtung.



Man nehme die Fläche des Frankfurter Zoos (11 Hektar) und packe noch zwei Hektar dazu, dann hat man das Areal, das zum Vorreiter der modernen Tierhaltung wurde. Hier leben Heckrinder (Rückzüchtung des Auerochsen), Tarpane, Maral (vorderasiatische Rothirsche) und Damhirsche vergesellschaftet. Vor 40 Jahren war dies die erste Haltung dieser Art.



Allein die schiere Größe des Geheges ermöglicht es den Herden sich aus dem Weg zu gehen und sich vor neugierigen Augen zurück zu ziehen. Die Heckrinder kamen zum Beispiel erst raus, als die Beleuchtung bereits zu schwach zum Fotografieren war.

Auf der anderen Seite des Wegs - in ähnlicher Größe - sind die Bewohner weniger zurückhaltend: Exmoor-Ponys, Wisente und Dybowski-Hirsche.



Außerhalb der alten Erfassungsmauer endet der Rundgang bei einer großen Rotte Wildschweinen.



Im nächsten Post geht es dann um den Bauernhof, eine Arche Noah für gefährdete Haustierrassen.

1 Kommentar:

  1. Ich war letztes Jahr in Sababurg und war richtig erschlagen von der Größe. Wir haben aber nur die Fischotter und die Mufflons nicht gesehen, obwohl wir bei letzteren sogar durchs Gehege gegangen sind. Bei meinem nächsten Besuch werde ich den Urwildpark vermutlich nur mit der Bahn durchfahren und nicht jeden Weg einzeln ablaufen, wie beim ersten Mal.

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