Sonntag, 23. Februar 2014

Sochi Discovery World Aquarium, 15. Februar 2014

Anlässlich der Olympischen Winterspiele in Sotschi hat mein Anderer das große Los gezogen: Wir durften fünf Tage am Schwarzen Meer verbringen und die deutsche Mannschaft beim Massenstart der Männer im Biathlon und beim Riesenslalom der Frauen anfeuern. Die freien Tage dazwischen wollten wir für Erkundungen in Adler verwenden.

Am ersten Tag steckte uns noch die Zeitumstellung (Sotschi ist Deutschland drei Stunden voraus) in den Knochen. Deshalb machten wir uns erst am späten Vormittag auf zum Sochi Discovery World Aquarium. Wir hatten Glück und erwischten den richtigen Bus, der uns ohne Umwege direkt zu einer Art Kurpark brachte, in dem sich sowohl das Aquarium als auch ein Delfinarium befinden (Haltestelle Lenin-Straße).

Eine große Hilfe sind uns dabei übrigens die Einheimischen gewesen, die zwar kaum Englisch, geschweige denn Deutsch sprachen, aber dafür sehr viel Geduld und Einfallsreichtum besaßen, um uns den Weg zu weisen.

Danach war es dank guter Beschilderung ein Klacks das größte Aquarium Russlands (eröffnet 2009, Baukosten ca. 25 Mio. US-Dollar) zu finden. Äußerlich ist das Gebäude schlicht gehalten und verrät nicht so richtig, was sich darin befindet. Auch der Vorraum ist eher trist. Lag vielleicht auch daran, dass der Besucherstrom nicht gerade üppig ausgefallen war. Wir und zwei Amerikaner waren ziemlich die einzigen nichtrussischen Besucher an diesem Tag.

In einem kleinen Seitenraum können die Besucher ihre Taschen kostenlos abgeben.

Die Kasse war schnell gefunden und wir zahlten unseren Eintritt plus Fotoerlaubnis. Insgesamt kamen wir so auf 1200 Rubel (je 500 Rubel Eintritt und 100 Rubel Fotoerlaubnis). Das entspricht nach aktuellem Wechselkurs ca. 12 EUR pro Person. Die Button sind auch ein schönes Andenken und erleichtern dem Personal die Überwachung des Ganzen.

Für uns hieß es jetzt mit einer Rolltreppe in den ersten Stock hinaufzufahren. Die Optik blieb immer noch etwas unterkühlt und im Vergleich mit dem Sea Life Hannover oder dem Oceanarium Lissabon noch sehr ausbaufähig.

Danach hat es mich umgehauen: Vor unseren Augen breitete sich ein künstlicher Wald mit einigen kleineren Aquarien und mehreren Teichen aus.
Dieses Stockwerk ist den Süßwasserbewohnern verschiedener Kontinente (ca. 100 Arten) gewidmet. Die Aquarien (insgesamt sind es 30 Becken mit einem Gesamtvolumen von 5 Mio. Liter) sind sehr gepflegt und machen auch optisch einiges her.




Kleinere Schwarmfische werden in mannshohen Tanks präsentiert. Das ermöglicht das Beobachten auf angenehme Art.

Bei den Diskusfischen herrschte gerade etwas Stress, denn ein Kescher versuchte sie einzufangen.




Ich bin jetzt nicht der große Aquarianer. Deshalb fand ich die zweisprachige Beschilderung (russ./engl.) sehr hilfreich. Die Schrift war für mich als Brillenträgerin auch gut zu lesen. Da kommt der hohe wissenschaftliche Rang dieser Einrichtung zum Tragen. Es wird nicht nur die Tierart genannt, sondern auch auf Eigenarten und Lebensweise eingegangen.

Über eine kleine Brücke führt der Rundweg zu drei offenen Teichen, in denen es heftig wimmelte. Wo andere Aquarien sich schon über eine Handvoll Koi-Karpfen freuen, sind es hier Hunderte. Und man darf sie auch füttern. Für 50 Rubel (ca. 1 Euro) kann man sich in einem Automaten eine kleine Kapsel mit Futter ziehen, die auch vollkommen ausreichend ist. Die Fische stürzen sich jedenfalls auf jeden kleinen Brocken und das Ganze erinnert an Piranha-Angriffe in diversen Horrorfilmen.



Ein Becken zog besondere Aufmerksamkeit auf sich. Dort schwammen Fische, die ich noch nie gesehen habe. Neben rückenschwimmenden Kongo-Welsen leben hier asiatische Messerfische. Diese sollen lt. Wikipedia auch recht schmackhaft sein und ich meine an einem der Marktstände sogar ein paar ausgenommene Exemplare gesehen zu haben.



Der berühmteste Süßwasserfisch Russlands ist der Stör. Bisher konnte ich zwar schon ein paar von ihnen in Deutschland sehen, aber der Schwarm, der hier ein Becken bevölkert, ist unvergleichlich. Die sind riesig und auf ihre Art ein echter Blickfang. Leider sehr dunkel, was das Fotografieren nicht erleichterte.



Beeindruckt von diesem Stockwerk führte der Weg jetzt abwärts in den Bereich der Salzwasserbewohner. Die Ausschmückung dieses Gangs war selbst schon ein Erlebnis.



Das erste Becken war für mich wirklich erstaunlich. Muränen sind in den meisten Aquarien allerhöchstens paarweise vertreten. Hier waren es gleich sechs riesige Exemplare, die das Wasser nach Nahrung "abscannten". Einschüchternd.



Womit wir erstmals auf das große Zentralbecken mit einem Fassungsvermögen von 3 Mio. Litern trafen. Die Kulisse bildet ein Schiffswrack mit stilechtem Skelett. Dazu kommen Schwarzspitzen-Riffhaie, verschiedene andere Riffbewohner und ein Ammenhai, der leider nicht zum Fotografieren aufgelegt war. Irgendwie wirkte er übergewichtig, oder sehen die immer so aus?



Es folgten weitere Becken mit unterschiedlichen Themen, wie Delta, Strandnähe und Korallenriff. Einige Arten, wie die Seepferdchen, wurden zwar beschrieben, waren aber nicht zu sehen. Bei dieser Vielfalt hat mich das persönlich aber überhaupt nicht gestört.



Sehr angenehm empfanden mein Anderer und ich, dass auch den Besuchern viel Platz eingeräumt wurde. Die Räume waren so reichlich bemessen, dass nirgends Gedränge entstand oder sich die Besucher gegenseitig die Sicht nahmen.

Am Eingang des Unterwassertunnels erwartete uns eine weitere große Muräne. Diese Räuber faszinieren mich inzwischen fast mehr als Haie. Im Hintergrund zog eine Meeresschildkröte ihre Bahn. Die "Fensterbänke" luden zum Verweilen ein. Das Hinsetzen war aber verboten. Schade, denn hier ließ sich vieles entdecken.



Am Ende angekommen, dachten wir, das sei es gewesen. Pustekuchen! Noch einmal verzauberte Neon-Malerei, um uns in einen weiteren Unterwassertunnel zu leiten. Dort konnte ich dann ausgiebig mit einem Kugelfisch flirten.




Damit ging es dann wirklich um die letzte Kurve. Dort wartete ein Fotograf mit den Maskottchen der Olympischen Winterspiele auf potentielle Kunden.

Die letzten Becken waren durch eine russische Führung etwas umlagerter als wir es bisher gewohnt waren. Kein Wunder, leben doch hier echte Fossilien: Pfeilschwanzkrebse, die schon zu Lebzeiten der Dinosaurier nachweisbar sind. Und das hier waren nicht gerade die kleinsten Exemplare. Warum die Mehrzahl auf dem Rücken lagen, konnten wir nicht herausbekommen.

Das Nachbarbecken gehörte dann Haien und Rochen. Letztere waren besonders neugierig und steckten immer wieder ihre spitzen Nasen aus dem Wasser.






Ein letzter Blick und es ging zurück ins Licht direkt in den Souvenir-Shop. Dieser ist sehr großzügig vom Platz und lädt zum Bummeln ein. Wäre unser Koffer nicht sowieso nicht schon überfüllt gewesen, hätte wohl die eine oder andere Robbe den Weg nach Deutschland gefunden. So blieb es bei einer Kappe.



Fazit: Das Sochi Discovery World Aquarium war für uns mehr als einen Ausflug wert. Wer die Gelegenheit hat, diese Ecke der Welt zu besuchen, sollte unbedingt auch hierfür Zeit einplanen.

Neben kommentierten Fütterungen gibt es auch Vorführungen mit Meerjungfrauen. Besonders Mutige dürfen sogar für 30 Minuten mit den Haien tauchen.

Es machte neugierig auf die anderen Einrichtungen im "längsten Kurort der Welt", wie zum Beispiel dem Aquazoo und der Affenstation (Video von "Stimme Russlands").

Alle Bilder auf Flickr und Facebook.

1 Kommentar:

  1. ein guter artikel ! sehr interessant.
    generell bin ich nicht der größte befürworter von zoos, da mir die eingesperrten tiere manchmal leid tun. natürlich dient ein zoo aber wunderbar der erziehung & bildung von kindern, daher könnte man ja vllt. etwas umdenken und zoos ganz neu definieren: http://betterymagazine.com/stories/a-zoo-without-animals/
    wäre doch eine möglichkeit , oder ?

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