Sonntag, 2. März 2014

Delfinarium "Aquatoria", Sotschi

Schon im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi war viel von Plänen zu lesen, in einem eigens gebauten Delfinarium Orcas zu zeigen, die extra vor der japanischen Küste gefangen wurden. In den verschiedenen Infos unseres Reiseveranstalters war aber nichts darüber zu lesen. Deshalb wollten wir uns natürlich vor Ort schlau machen.

Von oben nur zu sehen, wo sich
die Tiere außerhalb der Vorstellungen
aufhalten
Gleich vorweg: Ich kann diese Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. In den Straßen oder im russischen Fernsehen haben wir nichts dazu gesehen. Während meiner Recherche im Netz zu diesem Bericht fand ich folgende Erklärung vom Betreiber des Delfinariums White Sphere: White Sphere captures no orcas!


Nach unserem Besuch im Sochi Discovery World Aquarium bummelten wir in Richtung Promenade weiter. Irgendwo sollte das Delfinarium zu finden sein. Eine Übersichtstafel half uns: Hier waren wir auf dem richtigen Weg.

Mitten zwischen verschiedenen Verkaufsständen fanden wir dann auch den sehr bunten Eingang zum Delfinarium. Eine nette Frau begrüßte uns auf russisch und mit viel Gestikulieren und Zeigen bekamen wir auch unsere Tickets für die nächste Vorstellung, die um 14 Uhr stattfinden sollte. Der Eintrittspreis betrug jeweils 500 Rubel/Person (das entspricht ca. 10 EUR).

Deshalb gingen wir noch eine Runde bummeln.


"Houston, wir haben ein Problem!": Die Linse unserer großen Kamera beschlug auf einmal. Daher sind einige Bilder, die nun folgen, mit einem "Nebelrand" versehen.

Vorweg noch ein paar Daten, die ich in der Zwischenzeit herausgefunden habe:
- Die erste Vorstellung fand im "Aquatoria" bereits im Dezember 1998 statt. Es handelt sich also um ein älteres Unternehmen.
- Auf manchen Seiten wird es auch "Utrisches Delfinarium" genannt.
- Der Betreiber "White Sphere" besitzt noch weitere Delfinarien in Russland, daneben auch Schwimmbäder und Wasserparks.
- Es gibt noch zwei weitere Delfinarien in Sotschi: das jüngere "Seestern" im Stadtteil Lazarevskoye und das "Nemo" im Stadtteil Riviera, angegliedert an ein weiteres Aquarium


Der Besuch der Vorstellung hatte so seine Tücken. Die nette Kassiererin hatte uns nämlich Tickets für unterschiedliche Vorstellungen gegeben. Der "Kartenabreisser" wollte also nur einen von uns hereinlassen. Wieder zurück zur Kasse, Finger auf die falsche Zeit gerichtet und schon wurde die Zeit mit Kugelschreiber ausgebessert. Nachdem diese Ausbesserung vom Abreißer skeptisch beäugt wurde, durften wir endlich vorbei mit dem allgegenwärtigen "Welcome to Russia" Gruß. Die Vorstellung war dank der Jahreszeit auch nicht ausgebucht, so dass wir uns dahin setzen konnten wo wir wollten.

Wir fanden dann auch Sitze in unserem Abschnitt, die uns eine gute Sicht gaben. Es gibt sogar VIP-Sitze. Die sind mit rosa Überzügen und im trockenen Bereich. Die Tribüne bietet ungefähr 1000 Besuchern Platz. Das Becken hat einen Durchmesser von ca. 20 Metern und eine Tiefe von ca. 6 Metern.



Es dauerte nicht mehr lange, da tauchte auch der "Moderator" auf, der uns für die nächsten ca. 50 Minuten fast komplett zutextete. Leider haben wir kein Wort verstanden und können daher nicht beurteilen, ob wissenschaftliche Erklärungen o. ä. Erwähnung fanden.

Aufgrund der vertrackten Lage mit dem Objektiv habe ich mich mit meiner kleinen Kamera, die ziemlich langsam ist, auf das Filmen verlegt.

Der erste "Künstler" war ein Walross mit erstaunlichen Fähigkeiten. Es konnte nicht nur ein Körbchen hereinbringen, es konnte auch zählen, singen und Liegestütz. Das erinnerte mich daran, dass ich wirklich mal wieder zu Hagenbeck muss, um mir Odin und seine Damen anzuschauen.



Es folgte eine kurze Musikpause, die überraschend mit Glockengeläute durch einen Beluga-Wal beendet wurde. Die beiden Riesen - ich bin immer noch absolut überwältigt von dieser Begegnung - sangen uns sogar ein Ständchen und malten gemeinsam ein Bild. Ich hatte den Eindruck, als ob sie auch ihren Spaß dabei hatten.



Der nächste Programmpunkt war ein Seelöwe, der das ganze Repertoire zeigte, das von seinen Artgenossen auch weltweit in Tierparks und Zirkussen geboten wird. Was ich ein bisschen vermisste, war das "medical training", wie ich es zum Beispiel aus dem Zoo am Meer in Bremerhaven gewohnt bin.



Dann wurde es sprunggewaltig: Eine Gruppe Große Tümmler eroberte Wasser und Luft. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie elegant und wendig diese doch relativ großen Säugetiere sind. Dwoja, Daisy und Bootsmann sollen übrigens aus dem Schwarzen Meer stammen. Dank der starken Militärpräsenz (alle 100 Meter ein Soldat oder Polizist) auch auf See konnten wir so gut wie nichts von den wildlebenden Spezies in Sotschi und Krasnaya Polyana entdecken.




Zum Ende der Vorstellung kam dann noch einmal das Walross dazu. Die eingeweihten Besucher sammelten sich bereits am rechten Rand der Bühne. Etwas, dass in Deutschland wohl nicht möglich ist: Hier kann man sich mit einigen Akteuren fotografieren lassen.


Fazit: Uns hat der Besuch Spaß gemacht. Irgendwelche Quälereien konnten wir nicht beobachten. Die Belugas haben bei mir den nachdrücklichsten Eindruck hinterlassen, da ich diese Art noch nie in natura gesehen hatte. Hier haben diese Einrichtungen ihre Aufgabe. Denn gerade Kinder werden sich später eher zum Schutz der Arten einsetzen, die sie schon einmal gesehen und bewundert haben.

Die Art der Vorstellung ist ungewohnt und erinnert mich mehr an die 70er Jahre. In Deutschland wird mehr auf die natürliche Lebensweise eingegangen. Das sogenannte medizinische Training, das ja die Behandlung von Verletzungen und Krankheiten erleichtern soll, vermisste ich.

Die nächsten Tage waren dann ausgefüllt von den olympischen Winterspielen und den Wetter-Kapriolen oben im Laura Biathlon Center. Wäre schön gewesen, einen direkten Vergleich zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass wir vielleicht noch einmal nach Sotschi kommen. Genügend Sportveranstaltungen wird es in den nächsten Jahren in Sotschi geben.

Die komplette Bildersammlung findet ihr wieder bei Flickr und auf Facebook.

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