Samstag, 26. April 2014

Zoo am Meer, Bremerhaven: Lale

Liebesspiele im März 2013 -
Lloyd und Valeska
Seit kurz nach Weihnachten wissen es nun alle: Bremerhaven hat nach 41 Jahren erstmals wieder Eisbären-Nachwuchs. Am 16.12.2013 brachte Valeska zwei Babys auf die Welt. Leider verstarb eines davon gleich danach. Das verbliebene Kind wurde nicht nur für die Mutter zum Augapfel, sondern auch für den gesamten Zoo. Die ersten Tage blieb es ein Geheimnis, da im Jahr zuvor die Freude über Nachwuchs schon nach wenigen Stunden in Trauer umschlug, weil das Kind wohl nicht lebensfähig gewesen ist.

Im letzten März konnten wir deshalb Valeska mit Lloyd schon wieder im zärtlichen Ringkampf beobachten.


Der Eisbär im "Eisbären-Käfig"
Kurz vor Silvester dann die dringliche Bitte an die Bremerhavener rund um den Zoo auf Feuerwerksknallerei zu verzichten. Die Bitte wurde sogar bei Bundesliga-Spielen des Basketball-Vereins "Eisbären Bremerhaven" weitergegeben. Die ersten Bilder gingen um die Welt und alles verlief gut.
Monitoring in der Zooschule

Dank eines schon im Vorjahr installierten Überwachungssystems konnten nun auch die Besucher in der Zooschule sich ein Bild von den Fortschritten des kleinen weißen Fellknäuels machen. Die Namenssuche über Presse, Funk und Fernsehen sollte dem kleinen Mädchen, wie sich bei der Erstuntersuchung herausstellte, eine Erinnerung an ihren Geburtsort mit auf den Lebensweg geben. Denn von Anfang an stand fest, dass sie nächstes Jahr nach Rostock, dem Herkunftszoo ihrer Mutter, umziehen wird.

Zooleiterin Dr. Heike Kück, die Tierpfleger und Vertreter der Stadt und Radio Bremen einigten sich auf LALE, nach der in Bremerhaven geborenen Sängerin Lale Andersen. Wem der Name nichts sagt, dem sollte zumindest ihr Lied "Lilly Marleen" bekannt sein.

Entgegen dem Trubel um die fast gleichzeitig geborenen Münchner Eisbären-Babys Nobby und Nela, hielt und hält sich der Zoo am Meer mit seiner Berichterstattung zurück. Es wurde zwar bekannt, dass mit der Stadt um ein Konzept für die Vermarktung gerungen wurde, aber aufgrund des Platzmangels im kleinsten Zoo Deutschlands (ca. 6 Hektar) kann keine zusätzliche Tribüne o. ä. für die Besucher errichtet werden.

Seit 8. April war es endlich soweit: Die Schieber zur Außenanlage wurden geöffnet. Valeska zögerte nicht und führte ihre Tochter sofort nach draußen. Diese komplett neue Welt eroberte sie sich im Handstreich und muss allerdings noch auf den Ausflug ins große Wasserbecken verzichten. Da zeigt sich Valeska, die ansonsten die Geduld und Sorgfalt in Person ist, unnachgiebig. Wenn es sein muss, wird Lale energisch am Ohr weggezogen.


Demzufolge war aus der "Schneeflocke" im Handumdrehen ein kleiner "Dreckspatz" geworden als wir am Gründonnerstag unseren "Antrittsbesuch" bei der kleinen Familie machten. Am Vortag war mit 3800 Besuchern ein neuer Rekord aufgestellt worden und für Ostern konnte noch mit mehr gerechnet werden. Wir hatten allerdings den richtigen Zeitpunkt abgepasst und freies "Schussfeld" für unsere Kameras.

Mit Begeisterung erkundete Lale wohin das Wasser aus einer Pfütze fließt, was das für ein komisches blaues Ding ist (Crazy Egg, ein Geschenk einer Besucherin) oder was da vor ihrem Reich abgeht. Alles sehr selbstbewusst und ohne Hemmungen.

Valeska patrouillierte unterdessen hin und her, das Gesicht "gezeichnet" von einem Prankenhieb ihrer Tochter. Bei Eisbären sieht das allerdings immer sehr dramatisch aus, auch wenn es nur ein Kratzer ist.

Sogar vom Dach des Klimahauses
erkennt man die Menschenmassen
vor dem Gehege
Da uns irgendwann der Besucherandrang zuviel wurde, kehrten wir erst abends noch einmal zurück (Jahreskarte sei Dank).

Zeit also auch mal Papa Lloyd einen Besuch abzustatten. Der darf derzeit nur nachmittags raus. Sein Gebrüll hatte Valeska nervös gemacht und Lale eingeschüchtert. In der freien Natur müssen die Weibchen auch ihren Nachwuchs vor den Männchen beschützen, weil die sonst nicht groß Federlesen machen um an die Mutter heranzukommen.

Der arme Lloyd, der sowas ja zum ersten Mal mitmacht, schaut immer wieder sehnsuchtsvoll Richtung Mutter-Kind-Bereich. Aber keine Chance: Bis Lale groß ist, wird er wohl Valeska nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Die hatte sich in eine nicht einsehbare Ecke der Anlage zurückgezogen (nur über einen Monitor auf der Restaurant-Terrasse). Und wie als Geschenk für uns streckte erst Valeska ihre Nase um die Ecke und dann folgte auch die Tochter. So wurde ich Zeuge einer sehr zärtlichen Geste zwischen den Beiden.



Ich bin schon gespannt, was beim nächsten Besuch passiert.

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