Dienstag, 3. Juni 2014

Schreckliche Nachricht aus dem Regenwaldhaus im Zoo Dortmund

Das Regenwaldhaus in Dortmund
Yenko, im Februar noch in Hannover
Erst vor zwei Wochen waren wir in Dortmund und freuten uns, dass es dem kleinen Yenko mit seiner "Adoptivmutter" Toba so gut geht. Munter turnte er unter ihrer Aufsicht das Stahlgitter rauf und runter oder kuschelte sich in ihre Arme.

Miri
Zur Erinnerung: Yenko ist der erste Orang Utan, der in Hannover nach 31 Jahren am 09. Juni 2013 zur Welt kam. Die Freude und das Rätselraten waren groß, wer denn nun der Vater ist. Nach umfangreichen Tests stand Jambi als Erzeuger fest.

Im Februar erlebten wir den kleinen munteren Struwelpeter, wie er seine Kletterkünste in schwindelnder Höhe erprobte.

Am 4.4.14 dann die erste Tragödie: Seine Mutter Miri starb infolge einer vereiterten Gebärmutter.
Hektisch wurde eine Lösung gesucht, da Yenko noch lange auf Muttermilch angewiesen sein wird. Eine Handaufzucht sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Yenko und Toba im
Mai in Dortmund
Auf wunderbare Weise fand sich in Dortmund mit Toba, die selbst kurz vor Jahreswechsel eine Fehlgeburt erlitten hatte, eine liebevolle Adoptivmutter. Kürzlich postete jemand noch Bilder davon, dass auch die älteren "Geschwister" schon mit ihm spielten.

Toba kam mit dem Clan-Chef Walter aus dem Zoo Leipzig nach Dortmund und hat bereits vier eigene Kinder, darunter Tao und Eirina. Vater ist bei Beiden jeweils Walter.

Die Eingliederung in die Orang-Gruppe machte also Fortschritte. Dies ist bekanntlich bei keiner Tierart besonders einfach und immer mit einem Risiko verbunden.

Kurz vor seinem ersten Geburtstag dann gestern die Hiobs-Botschaft: 

Orang Utan Chef Walter
Walter, der zuletzt als Fussball-Orakel den Pokal-Sieg Dortmunds voraussagte und auch sonst als sehr friedlich gilt, erwischte am 27. Mai den linken Unterarm von Yenko, zog ihn durch das Stahlnetz, das die Innengehege im Regenwaldhaus trennt, und biss ihn durch.

Dank sofortiger ärztlicher Behandlung scheint es dem Knirps den Umständen entsprechend wieder gut zu gehen. Toba hat ihn nach der Not-OP wieder angenommen und er trinkt regelmäßig. Der Arm war aber nicht mehr zu retten.

Bei unserem Besuch hing Yenko
ausgerechnet am
verhängnisvollen Gitter
Wieso greift ein Orang Utan Mann ein Jungtier an? Als Grund wird in Presse-Artikeln Eifersucht angeführt. Walter habe nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit der Besucher. Aber mal ganz ehrlich: Yenko ist nicht das erste Jungtier in Dortmund. Kurz vor seiner Ankunft hatte noch die 15 Monate alte Gayah in Dortmund ohne Angriffe von Seiten Walters gelebt.

Adoptivmutter Toba
Wie in einem Artikel so richtig vermerkt wurde: Yenko ist ein Fremder in Dortmund. Seine bisherige Familie hat andere Verhaltensweisen wahrscheinlich auch eine andere Sprache und - sehr wichtig für Tiere - einen anderen Geruch. Daher könnte Walter den Knirps schlicht für einen Eindringling gehalten haben. So ganz werden wir es wohl nie wissen.

Dieses Risiko hätte auch in der freien Natur bestanden, ganz abgesehen davon, dass eine Adoption eines Waisenkindes noch nie bei den Menschenaffen beobachtet wurde.

Kann ein Orang Utan auch mit einem Arm leben? Ja, er kann. Es gibt sogar Exemplare, die den Weg zurück in die Wildnis schaffen. So bereitet sich gerade Kesi, ein Schützling der BOS, auf einer Flussinsel auf ihre Auswilderung vor. Yenko wird dagegen voraussichtlich sein Leben im Zoo verbringen. Außerdem lernen ja auch Menschenkinder mit einer Einschränkung umzugehen. Und in so frühen Jahren geht das besser als im Erwachsenenalter.

Es ist ihm nur zu wünschen, dass es das Schicksal dem Steppke jetzt nicht mehr so schwer macht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen