Dienstag, 5. August 2014

Tierpark Hagenbeck: Das Eismeer

Verflixt lange haben wir bei unseren Zootouren Hagenbeck links liegengelassen. Fragt mich bitte nicht warum. Ich weiß es selbst nicht.

Besonders neugierig war ich auf das Eismeer, das ja mit großem finanziellen Aufwand und Auflagen durch den Denkmalschutz erneuert wurde.
Ende April schafften wir es sogar zu einer recht frühen Stunde dort zu sein. Von weitem leuchtete uns der Kunstfelsen entgegen. Schon hier die Feststellung, dass die Anlage wenig mit der alten zu tun hat. Von der hatten wir bei einer Dschungelnacht im Jahr 2008 sozusagen Abschied genommen. 2012 war bei einer solchen Nacht die Welt noch mit Brettern vernagelt, weil eine Scheibe unvorhergesehener Weise zu Bruch gegangen war.

Dieses Jahr also endlich das Wiedersehen mit Viktoria, die ja unserem Lloyd in Bremerhaven einst ordentlich den Kopf verdreht und anschließend zurechtgesetzt hatte.

Ihr neuer Lover heißt Blizzard und hat nach meinen Quellen nicht viel zu melden bei der Hamburger Deern. Im Gegensatz zu ihr machte er bei unserem Besuch einen eher mageren Eindruck. Kann aber auch täuschen. Sie gibt auf der Anlage jedenfalls den Ton an.


Während er sich vorsichtig ans Wasser herantastet, ist sie mit einem Satz drin. Stürzt sie sich auf den Ball, hält er sich vornehm zurück. Ab und zu gibt es ausgiebige Schmuseeinheiten. Ob es im Winter den erhofften Nachwuchs geben wird? Die Zeit wird die Antwort bringen. Selbst als Bremerin würde ich es den Hamburgern gönnen.



Die Anlage selbst ist in mehrere Etagen aufgeteilt, wobei der Wasserbereich kleiner und flacher ist als im Zoo am Meer oder in Hannover, ungefähr vergleichbar von der Größe mit Neumünster, wenn auch nicht so tief. Genial allerdings, das große Panoramafenster, das den Blick gleichzeitig auf die Vorgänge über und unter Wasser freigibt.

Der Rundweg führt ins Innere und direkt zu den Walrossen. Diese an Land so unbeholfen wirkenden Kolosse lieferte uns an diesem Morgen ein wahres Unterwasser-Ballett ab.



Dieser Anblick belohnte mich für das frühe Aufstehen. Später am Tag war hier nicht soviel Platz und Muße. Ich kann zwar die einzelnen Tiere nicht voneinander unterscheiden. Damals waren es jedoch noch fünf. Neseyka zog kurze Zeit später wieder nach Russland. Odin, Dyna, Polosa und deren Tochter Olivia blieben und sind, wie jeder weiß, inzwischen wieder zu fünft. Dyna machte den Traum wahr und kümmert sich inzwischen liebevoll um einen noch namenlosen Steppke, der in seiner Facebook-Gruppe schon den Namen Fiete erhielt.

Ein langer Gang führte uns vorbei an weiteren Unterwasserfenstern. Diese Bereiche werden neben den Walrossen auch von den Seebären genutzt.

Einer ging sogar gerade auf Tauchstation und schloss sich dem Unterwasser-Ballett an. Mit einem Blick auf die Technik und in die Ausstattung einer Polarstation, kamen wir an das Unterwasserfenster der Humboldt-Pinguine, wo aber zu diesem Zeitpunkt wenig los war.
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Die Pinguine, Trottellummen, Papageitaucher und und und genossen lieber in der großzügigen Freianlage Licht und Sonne. Der leichte Wellengang suggerierte eine nordische Meeresküste und passt hervorragend zu den Holzhäuser-Kulissen.



Oceanarium Lissabon
St. Aubins Bay, Jersey
Wir hatten vor Jahren schon einmal Gelegenheit auf Jersey eine Bootsfahrt zu machen. Dabei wurde auch erzählt, dass die Kanalinseln eines der bevorzugten Brutgebiete der Papageienschnäbel sind. Leider waren wir zur falschen Jahreszeit dort. Später begegneten wir im Oceanarium von Lissabon welchen. Aber hier in Hamburg konnten wir sie das erste Mal richtig nah bewundern. Leider wird ihnen ihre Zutraulichkeit immer wieder zum Verhängnis und sie verschwinden aus der Anlage.

Wieder geht es unterirdisch weiter. Hinter einer Tür kommen wir zu zwei sehr anspruchsvollen Pinguinarten: Den subantarktischen Esels- und den majestätischen Königspinguinen.

Leider wohnen sie recht kühl (immer Jacke mitnehmen!) und dunkel, wie es halt so in der Antarktis üblich ist. Außerdem bevorzugen die Könige die höheren Regionen, womit man sie auch schwer zu Gesicht bekommt. Die Eselspinguine schießen dagegen munter in ihrem Becken herum. Für Fotografen ein Graus, aber für den normalen Besucher ein echter Spaß.




Überhaupt ist für den Besucher nur ein Teil des Lebensraums wirklich sichtbar. Der sogenannte Rundgang der Pinguine verbindet die verschiedenen Gehegeteile und sorgt für ausreichende Bewegung. Ein Modell hilft dem Besucher bei der Orientierung.

Mit freundlicher Genehmigung vom Tierpark Hagenbeck
Mit freundl. Genehmigung v. Tierpark Hagenbeck
Womit sich der Rundgang innerhalb des Eismeers so langsam dem Ende nähert.

Über mehrere Stufen führt der Weg auf die Aussichtsplattform, von der sich ein grandioser Blick über den ganzen Park werfen lässt. Eine Wand mit Erinnerungsbilder lässt noch einmal die lange Bauzeit und seine verschiedenen Etappen aufleben.




Zurück beim wasserscheuen Blizzard und Viktoria, ließen wir uns erstmal einen der angebotenen Snacks munden, bevor die Fütterung mit Dirk Stutzki begann. Die sollte man sich nicht entgehen lassen. Man merkt dem erfahrenen Tierpfleger halt wirklich an, wie wohl er sich zwischen Robben, Pinguinen und Eisbären fühlt. Leider wissen das aber auch viel zu viele Leute und es herrscht ein Gedränge wie beim Sommerschlussverkauf. Vielleicht dann doch lieber einen nicht ganz so gut besuchten Tag wählen...



Fazit: Nach seiner Eröffnung wurde das Eismeer noch im gleichen Jahr zur beliebtesten neuen Freizeiteinrichtung gewählt. Die 20 Mio. Euro, die zum Teil (7,5 Mio. EUR) von der Stadt Hamburg getragen wurden, sind gut angelegt. Vielleicht hätte an der einen oder anderen Stelle noch Terrarien oder kleine Aquarien gut getan, damit die langen Gänge nicht ganz so lang und leer erscheinen. Aber sehenswert ist es allemal. Die Walrosse sind nicht umsonst die passenden Erben von Antje, dem langjährigen Maskottchen des NDR.

Die Freivolieren sind ein weiteres Highlight. In diesen sehr naturnahen Kulissen vergisst man fast, dass man inmitten einer Großstadt ist. Ich freue mich, dass ich nicht mehr drei Stunden Flugzeit hinter mich bringen muss, um Papageientaucher zu sehen.

Mit freundlicher Genehmigung vom Tierpark Hagenbeck

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