Sonntag, 16. November 2014

Der Klugschiss zwischendurch: Tapire


Auf die Frage auf Facebook hin, nehme ich das Thema doch gerne  für einen "Klugschiss zwischendurch":

Hast du Infos über Tapire? Und hast du Besuchstipps?


Das kann ich klar mit "Ja" beantworten. Tapire gehören sogar mit zu meinen Lieblingstieren. Eine meiner Kolleginnen meint dazu immer "Du und deine komischen Nasentiere". Sie sind halt nicht Mainstream, aber echte Originale.
Natica mit Mutter Peggy

1. Besuchstipps:

2014 ist ein gutes Jahr für die Tapire in Deutschland gewesen.

Im Jaderpark machte die Geburt von Natica für meinen Anderen und mich den Auftakt. Ihre Eltern Peggy und Ferdinand sind für uns einfach schon gute Freunde geworden, die wir immer wieder gerne besuchen. Das sind noch Fernsehstars (Puma, Seehund & Co.), die keinerlei Star-Allüren haben.

Für eine Runde Kraulen bis zum Umfallen stehen sie gerne am Zaun und unterbrechen auch ab und zu eine Mahlzeit dafür. Als Besucher muss man allerdings aufpassen, wenn Ferdinand sein Revier markiert. Tapir-Urin ist ein sehr spezielles Parfüm.

Für mich also eine der ersten Adressen für die Begegnung mit Tapiren.

Abhängen in Krefeld
Alex Wendelin in Dortmund
Im Mai begegneten wir Tapiren in Krefeld (eine wunderschöne Anlage mit großzügigem Wassergraben), Duisburg und Dortmund auf unserer Zootour.

Sonnenanbeter in Duisburg




Dortmund nimmt hier eine Sonderstellung ein, da im Regenwaldhaus auch ein Paar Schabrackentapire, die einzige asiatische Unterart, leben. Die Unterschiede sind teilweise unübersehbar: 
- schwarz-weiße Färbung
- es fehlt der Nackenwulst bzw. Scheitelkamm
- der Rüssel (Kombination aus Oberlippe und Nase) ist etwas länger
Die Schabrackentapire gelten als scheuer und nicht so zutraulich wie ihre "brasilianischen" Verwandten. Aber wie wir beobachten konnten, von ihren Pflegern lassen sie sich auch gerne mal verwöhnen.



Santos in Thüle
Tambo in Hamburg
Im Sommer lieferte der Storch Santos im Tier-und Freizeitpark Thüle und  Tambo im Tierpark Hagenbeck ab. Die mussten wir uns natürlich auch gleich anschauen.

Thüle hat den Vorteil, dass die beiden Alttiere ähnlich verschmust wie im Jaderpark sind. Dadurch kamen wir auch dem Nachwuchs sehr nahe. Also hier mit dreckigen Fingern rechnen! Ich habe immer ein paar Erfrischungstücher eingesteckt, um die schwarze Paste, die man sich dabei einfängt, wieder los zu werden.

Nicht zu vergessen:

Serengeti-Park Hodenhagen
Auch im Tierpark Ströhen, im Zoologischen Garten Schwerin, Zoo Osnabrück uvm. sind Flachlandtapire zu finden.

Weitere Schabrackentapire findet ihr im Münchner Tierpark Hellabrunn, im Tiergarten Nürnberg und natürlich im Zoo Leipzig, der dieses Jahr sogar mit einem Jungtier aufwarten kann.

Was mich darauf bringt, warum ich für die nächste Tour Richtung NRW unbedingt den Zoo Wuppertal auf die Liste gesetzt habe: Dort leben Baird's Tapire, die dritte von insgesamt fünf noch lebenden Unterarten. Diese findet man in Deutschland ansonsten nur noch im Zoo Berlin und im Tierpark Cottbus.

Tapire sind wirklich Urviecher - buchstäblich!

Die Gattung tapst seit ca. 14 Millionen Jahren auf der Erde herum. Ihre nächsten Verwandten sind Nashorn und Pferd, wobei Nashörner ihnen am Nächsten stehen. Wer sich die Füße mal genauer ansieht, kann das auch nachvollziehen.

Einer der ältesten Verwandten wurde mit einem Alter von ca. 44 Mio. Jahren in der Grube Wessel gefunden.



Die Unpaarhufer gibt es wie bereits erwähnt in fünf Unterarten, von denen drei in deutschen Zoo gezeigt werden:
Badetag in Schwerin

- Flachlandt. (Südamerika)
- Baird's T. (Mittelamerika)
Schabrackent. (Südostasien)

- Berg- oder Wollt. (Anden in bis zu 4500 Meter Höhe)
- Kabomani-T. (Amazonas-Regenwald, erst 2013 erstmals beschrieben)


Wikipedia erwähnt noch weitere Unterarten, die aber bereits ausgestorben sind.

Die Einzelgänger sind Dschungelbewohner und daher durch die Abholzung ihres Lebensraums mehr oder weniger vom Aussterben bedroht.

In Zoos werden die Flachlandtapire inzwischen fast immer mit Capybaras (aka Wasserschweine) vergesellschaftet. Im Jaderpark spielen die Nager gerne mal den Babysitter für den Nachwuchs.

Die Tragzeit beträgt ca. 13 Monate und es wird (fast) immer nur ein Jungtier geboren. Dieses trägt bei allen Arten zunächst ein Streifenmuster, dass es im Dschungel fast unsichtbar macht. Es verliert sich dann ab der Mitte des ersten Lebensjahres. Geschlechtsreif werden sie mit ca. 3-4 Jahren.

Die Tiere gehören zu den "großen Schweigern". Nur selten habe ich bisher Laute gehört. Sind dies bei den Kleinsten eher Piepser (siehe Video von Natica. Sie durfte im Winter natürlich noch nicht nach Draußen, weil zu kalt), ist das bei den Erwachsenen ein sehr charakteristischer Klicklaut. Er erinnert an einen Schluckauf.


Übrigens können diese scheinbar so ruhigen und tapsigen Tiere wirklich gefährlich werden: 


Sie sind sehr schreckhaft (könnte ja ein Jaguar in der Nähe sein) und rasen dann blind drauf los - egal wer oder was da gerade im Wege steht. Sind 110-140 Kilogramm erst einmal in Bewegung, sind sie auch schlecht wieder zu bremsen.



Tapire können sehr gut schwimmen und tauchen. Deshalb ist ihr Fluchtziel meistens der nächste Wasserlauf. Sie halten sich aber auch so gerne dort auf. Nützlicher Nebeneffekt in der Wildnis: Um potentiellen Fressfeinden nicht zu verraten, wo sie sich aufhalten, nutzen Tapire Flüsse als WC.

Wer noch mehr über die "Nasentiere" wissen will:
- wikipedia
- Abenteuer Regenwald
- VDZ
- Zootierliste, wer wissen will, wo aktuell welche Art lebt

Wenn Ihr auch Ideen für einen "Klugschiss zwischendurch" habt, dann immer her damit.

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