Samstag, 2. Mai 2015

Quo vadis Jaderpark? (08.02./01.03.2015)

Lange hat es gedauert bis wir mal wieder den Jaderpark angesteuert haben. Da wir kein Interesse an den Fahrgeschäften haben und die Ruhe lieben, ist das Winterhalbjahr ideal für uns. Außerdem gibt es interessante Führungen durch die Tierpfleger. Diesmal waren es erst "Tierausbruch - was nun?" und zwei Wochen später Gabi Grond mit "Tiere wollen beschäftigt werden", die uns anlockten.

Das erste Thema kurz gefasst: Tiere bevorzugen ihre vertraute Umgebung. Selbst eine Lücke im Zaun sorgt nicht automatisch für Fluchtversuche. Das wird meistens durch Stress in der Gruppe oder besondere Umstände verursacht. Ich denke, mit ein bisschen Einfühlungsvermögen kann man das sehr gut nachvollziehen. Auch wir Menschen sind in fremder Umgebung erstmal orientierungslos und suchen Halt an etwas Vertrautem. 
Entsprechend stehen die Tiere häufig ratlos vor dem Gehege. Besucher würden sofort gebeten, sich zu entfernen. Erstens bedeuten Fremde nur Stress für das Tier. Zweitens sind Gaffer nur im Weg, wenn der Flüchtling mit sanften Mitteln wieder auf den rechten Weg gebracht werden soll. Drittens sind die Besucher in Gefahr umgerannt und damit verletzt zu werden. Die Gaffer mit ihren Kameras und Smartphones sind ja nicht nur auf Autobahnen unterwegs...
Im Jaderpark ist es bisher nur einmal passiert, dass ein Zebra bis ins Dorf gerannt ist. Es konnte dann aber in einen Hänger bugsiert und heil wieder zur Herde zurückgebracht werden.

In so einer Situation wirken durch das Adrenalin selten Betäubungsmittel. Der Kreislauf ist so auf Hochtouren, dass die Sicherheit von Menschen vorgeht und schweren Herzens es zum "finalen Rettungsschuss" kommt.

Fröhlicher dann das Thema von Gabi Grond: In Sachen Tierbeschäftigung ist sie sehr erfahren und einfallsreich. Diesmal sollten die Kapuziner- und Hulman-Affen und die Publikumslieblinge, die Erdmännchen, ihren Anteil abbekommen. Wie üblich waren die Kinder begeistert dabei und auch die Tiere ließen sich nicht lumpen. Unvergesslich, als eines der Erdmännchen vor lauter Eifer mit dem Kopf im Klopapier-Ball hängenblieb. Panisch versuchte es das Ding loszuwerden und seine Familie schaute konsterniert zu. Doch Gabi musste nicht eingreifen. Der gezielter Einsatz einer Kralle befreite Kopf und die restlichen Mehlwürmer.

Selbstverständlich haben wir uns auch umgeschaut, was es denn so Neues gibt.

Das seit letztem Jahr gültige Tierschutz-Gutachten schreibt unter anderem neue Größen für Gehege vor. Einige Zoos und Parks reagieren mit einer Reduzierung der Arten und mehr Vergesellschaftungen. Was da so alles möglich ist, haben wir in jüngster Zeit besonders in den Niederlanden beobachten können. Im Jaderpark sind ebenfalls einige Arten "verschwunden".

Am Augenfälligsten sind dies die Trampeltiere - auch wenn sich in diese Ecke (am Ende der Afrika-Anlage) vielleicht die wenigsten Besucher "verlaufen" hatten. Aber bei Seehund, Puma & Co. sind sie ja öfters aufgetaucht.

Das Exotarium wurde bei unseren Besuchen gerade neu bestückt. Der Weißbauch-Igel war jedenfalls noch nicht einmal unter der Heizung zu entdecken.

Auf meiner persönlichen Favoritenliste ganz oben, die Rothandtamarine und Liszt-Affen, sind ebenfalls abgegeben worden. Allerdings sind Krallenaffen im Norden ja gut vertreten. Stattdessen sind jetzt im Südamerika-Haus drei oder vier Tupajas eingezogen. Diese Spitzhörnchen galten im 19. Jahrhundert noch als kleine Primaten, sind aber inzwischen als eigene Art ausgegliedert Trotzdem gibt es einen gemeinsamen Stammbaum mit den den Primaten, von denen sich die Spitzhörnchen aber vor ca. 79 Mio. Jahren (also noch zu Zeiten der Dinosaurier) abtrennten. Hübsch sind die Kleinen auf jeden Fall und bringen Leben in die zwei Vitrinen neben den Steppenschliefern.

Im Tropenhaus sind einige der Vögel aus den neugestalteten Volieren am Eingang eingezogen und leisten Kanga bzw. Mbele, den Zwergflusspferden, Gesellschaft. Daher sollte man sich Zeit zum Entdecken nehmen. In der Vitrine (früher Tamarine und Köhlerschildkröten) lagerten sich die Brillenkaimane, die schon im Herbst eingezogen sind, malerisch unter der Wärmelampe.



Auch die Nutrias haben eine neue Nachbarin bekommen. Im Winterquartier der griechischen Landschildkröten lässt sich mit Glück das sibirische Streifenhörnchen Hanna beobachten.


Glück brauchte man auch, wenn man den Neuzugang bei den Siamangs beobachten wollte. Roger und Pelagi haben klammheimlich erneut für Nachwuchs gesorgt. Der klammerte sich noch fest an Mutters Bauch und zeigte nur selten sein Gesichtchen.

Der wichtigste Grund für den zweiten Besuch innerhalb kürzester Zeit waren mal wieder Peggy und Ferdinand. Während wir Anfang Februar Natica bereits nicht mehr zu sehen bekamen, weil sie ein neues Leben in einem anderen Park begonnen hat, hatten wir das Vergnügen im März die kleine Schwester zu begrüßen. Bei Zusammenzählen der vielen Tapir-Kinder, die wir im Jaderpark kennenlernen durften , muss ich gestehen, dass wir nicht alle zusammen bekamen:

0. Hat leider nur wenige Tage gelebt
1. Tamino (der war ja auch damals bei Stern-TV/Oktober 2006)
? Nando (2008)
2. Amira (2009)
3. Juan 2010
4. Xinga 07/2011
5. Naldo 09/2012
6. Natica 12/2013
7. Mayla 02/2015

Ich hatte mir mal ein Fotobuch mit den ganzen Namen gemacht, aber das hat sich scheinbar jemand ausgeliehen und nie zurückgebracht. Ich vermute, dass zwischen Tamino und Amira noch ein Kind kommt. Oder habe ich Amira jünger gemacht? Wer kann helfen?

Mayla wurde das aktuelle Kind inzwischen getauft. Kerngesund tobt es über die Anlage, die in den letzten Jahren leider unverändert geblieben ist. Nach unseren zahlreichen Besuchen in anderen Zoos, ist dies für uns ein echtes Ärgernis. Allein schon, dass kein adäquates Badebecken zur Verfügung steht, sagt einiges. Tapire schwimmen gerne und nutzen Fließgewässer auch als Toilette. Es muss ja nicht immer gleich so eine Luxus-Badewanne, wie in Krefeld oder Schwerin sein...

Der Trend geht zum bombastischen Neubau von Schaugeschäften, wie jetzt für 2,5 Mio. EUR der Grizzly-Park, der Pfingsten eröffnet werden soll. Will da jemand dem Heide-Park Soltau Konkurrenz machen? Als Ausgleich war im Winter die Vogelvoliere am Eingang für die Wattvögel und Schneeeulen umgebaut worden.

Offizielles Statement des Jaderpark auf Facebook

"Der Jaderpark ist ein Tier und Freizeitpark. Wir bemühen uns stets eine Balance zwischen diesen beiden Sparten zu halten. In diesem Jahr ist es vorerst eine neue Abenteueranlage. Dennoch hier eine kleine Übersicht nur aus dem letzten Jahr für alle Skeptiker:
Im März wurde für unseren Neuzugang, den Baumstachler ,ein Heim geschaffen. Ein komplett neues und thematisiertes Gehege wurde gebaut für jeweils die Schnee-Eulen, Gebirgsloris sowie unsere Säbelschnäbler. Seit August leben wieder Totenkopfaffen im Jaderpark. Im Herbst sind dann erstmalig Kaimane sowie Maderhunde zu uns gezogen. Weiter wurde in diesem Jahr das Außengehege der in 2012 neugebauten Löwenanlage neu gestaltet.
Und was dieses Jahr angeht… Es ist noch lange nicht zu ende…
Liebe Grüße vom Jaderpark"



Urmel verschlief den kompletten Tag
Die "Neuanlage für den Baumstachler" ist die alte Anlage für Mogli und Meedan, die ja inzwischen im Tierpark Bad Pyrmont wohnen. Die Totenkopfaffen haben wir nicht gesehen. Da aber auch die schwarz-weißen Varis nicht da waren, sind die wohl weg und die kleineren Südamerikaner eingezogen (im Hinblick auf die Größe des Warmhauses wohl auch sonst nicht haltbar). Die Marderhunde wohnen auf der alten Schnee-Eulen-Anlage.

Die Umgestaltung des Löwengeheges bezieht sich auf ein Klettergerüst, dass wohl nur von der Jüngsten, Suri, auf Dauer genutzt werden wird.
Wir sind jedenfalls skeptisch, ob der Tierpark nicht erneut den Anschluss an die Entwicklung verliert. Wäre schade für die sehr engagierten Mitarbeiter und die liebgewonnenen Tierpersönlichkeiten. 

Für uns haben wir jedenfalls beschlossen, wieder längere Zeit ins Land gehen zu lassen, bis zum nächsten Besuch.

Die Bilder unserer Besuche findet ihr wie gewohnt auf Flickr (08.02.2015 / 01.03.2015) und Facebook (Die Neuen im JP / 08.02.2015 / 01.03.2015 / Tiere wollen beschäftigt sein / Tapirnachwuchs)

1 Kommentar:

  1. Der Park hat weder die Lisztaffen, noch die Rothandtamarine abgegeben ;)

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