Freitag, 24. Juni 2016

Tier- und Freizeitpark Thüle: Ein geheimnisvoller Neuzugang

Wer ist unser Nachmieter im Raubtierhaus?
Nun also mehr zu dem Neuzugang im alten Raubtierhaus im Thüler Tier- und Freizeitpark. Die bisherigen Bewohner, die Binturongs, sind über den Winter in ihr neues Quartier bei der Präriehundanlage gezogen.

Auf unserer ersten Runde hatten sich die neuen Bewohner versteckt.

Finger weg, die beißen!
Bei der nächsten Runde entdeckte ich sie zusammengekuschelt in einer Ecke. Zunächst nur schwarze Silhouetten kamen sie schnell neugierig nach vorne. Mein Anderer konnte nicht anders und hielt seine Hand kurz vor das Gitter. Bei dem Gebiss, das da auftauchte, zog er sie aber sehr schnell zurück. Donnerwetter, das sind Beißerchen, zwischen die ich nicht kommen will!

Wir haben ja nun schon einige Tierchen in den verschiedenen Zoos gesehen. Diese hier konnte ich jedoch nicht sofort zuordnen. Der erste Eindruck: Definitiv Raubtier

Die Körperhaltung und Größe erinnert an Hyänen. Kopf tief, die vorderen Schultern höher als die hinteren. Das Fell grau bis schwarz fleckig gestreift mit einer kräftigen Rückenmähne, wobei der langgestreckte Kopf mit den weiß geränderten Ohren und der schwarzen Augenmaske die Verwandtschaft mit Marderhund und Waschbär suggeriert.

Die Teile passten irgendwie nicht zusammen.

Vergeblich suchten wir nach einem Schild mit des Rätsels Lösung.
Erst im Gespräch mit der Chefin des Tierparks erfuhren wir später: Es handelt sich um afrikanische Zibet-Katzen. Kein Wunder, dass wir sie nicht kannten, denn bisher gab es diese Art in keinem deutschen Zoo. Sollte es mit Nachwuchs klappen, wäre das sogar die deutsche Erstzucht. Wow!

Natürlich habe ich zu Hause gleich gegoogelt, um was es sich dabei handelt. Irgendwie hatte ich mit Zibet-Katzen immer mit Ginsterkatzen in Verbindung gebracht. Diese Art hatten wir dank den ZG Weseloh Events erstmals von nahem in der Botanika kennen gelernt. Und wenn ich mir die Bilder von damals anschaue, ist die Verwandtschaft nicht zu übersehen. So falsch lag ich also nicht.

Die Schleichkatzen werden bis zu 90 cm groß
und bis zu 20 kg schwer
Zibet-Katzen sind nachtaktive Schleichkatzen, die weit verbreitet auf dem afrikanischen Kontinent leben, meist in der Nähe von Wasser. Sie meiden dagegen vorwiegend trockene Gebiete. In Anpassung an ihren Lebensraum sind sie gute Schwimmer. Wäre also schön, wenn sie irgendwann eine Badegelegenheit bekommen.

Als Allesfresser verschmähen sie weder Gemüse noch Aas noch Insekten. Was ihnen halt vor die Nase kommt - auch vorwitzige Besucherfinger.

Eigentlich sind sie Einzelgänger und sehr territorial. Die Reviere werden mit einem Drüsensekret markiert, über das ich gleich noch mehr erzählen kann. Doch in Thüle scheinen sich das Pärchen bestens zu verstehen und auch tagsüber recht munter zu sein.

Theoretisch könnte es mit dem Nachwuchs dieses Jahr noch etwas werden, denn das Weibchen kann zwei oder drei Würfe im Jahr austragen, die Tragzeit beträgt 60 bis 72 Tage und die Wurfgröße eins bis vier (meist zwei oder drei). Also Daumen drücken.

Die Kleinfleck-Ginsterkatzen werden in ihrer Heimat
zur Veredelung von Kaffeebohnen missbraucht
In einem Zooforum fragte ein Scherzbold, ob denn mit den Tierchen auch Kaffee hergestellt werden würde. Nein, das sind die Kleinfleck-Ginsterkatzen, die es zum Beispiel im Zoo in der Wingst gibt.

Allerdings wird den afrikanischen Zibetkatzen ihr Sekret der Analnebendrüse zum Verhängnis, aus dem der Zibeton gewonnen wird.

Ganz schön frech!
Die Tiere werden für dessen Gewinnung in Käfigen gehalten und gereizt, bis sie das Sekret absondern. Mithilfe eines Löffels wird dann die Drüsentasche entleert und anschließend gereinigt. Der moschusartige Geruch bildet zusammen mit z. B. Bibergeil (ebenfalls Analsekret, diesmal Biber) die Grundnote von besonders schweren orientalischen Parfüms. Obwohl es inzwischen auch synthetisch hergestellt werden kann, soll es zum Beispiel in Äthiopien noch größere Farmen geben, in denen die Tiere zur Zibet-Gewinnung gehalten werden.

Wenn man das so liest, ist es schon ekelig, was wir uns da auf die Haut sprühen, um besser zu riechen. Das ist übrigens auch der Grund, warum andere Raubkatzen so sehr auf Parfüm stehen und sich genüsslich darin wälzen. 

Beruhigend ist, dass es sich um eine Art handelt, die bisher nicht auf der Roten Liste vertreten ist. Trotzdem gut, wenn auch in unseren Zoos eine gewisse "Reserve" vorgehalten wird, die die freie Population gegebenenfalls auffüllen könnte. Heutzutage verschwinden zu viele Arten, ohne dass wir etwas davon direkt mitbekommen haben.

Alles in allem freuen wir uns auf weitere Begegnungen mit dieser interessanten Art. Und hier auch noch ein Bericht der NOZ dazu.

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